Ruggero Leoncavallo
Erich Kurt Mühsam, Anarchist, Publizist und Schriftsteller

1878-1934, geboren in Berlin, gestorben im Konzentrationslager Oranienburg, Deutschland

Er wuchs in Lübeck in einer Apothekerfamilie auf. Ausbildung zum Apotheker, wurde aber aufgrund "sozialistischer Umtriebe" von der Schule gewiesen. Er war in Berlin bald als freier Autor tätig und als "anarchistischer Agitator", weshalb er unter ständiger Polizeiaufsicht stand. Er hatte dort auch Bekanntschaft mit Jo Mihaly, die viel später, nach seinem Tod, in ihrem Zürcher Exil einen Vortrag zu seinen Ehren halten sollte. Mühsam hielt sich während seiner Wanderjahre durch Eruopa 1904-1908 mit seinem Freund und Geliebten Johannes Nohl auf dem Monte Verità auf. Peter Dudek in "Ein Leben im Schatten" (Seite 39): "Mühsam und Nohl rechneten es sich zur Ehre an, von den Bauern nicht als 'vegetariani' angesehen zu werden. Zu den beiden gesellte sich bald ein baltischer Baron namens Rechberg, der ebenfalls am liebsten bei den Tessinern verkehrte. Die drei waren als Alkoholfreunde geschworene Feinde des Monte Verità." Dieser Baron von Rechberg ging später eine Scheinehe mit der Gräfin Franziska zu Reventlow ein. Freundschaft Mühsams auch mit Karl Gräser, Liebesbeziehung zu Frieda Gross, der Frau von Otto Gross. Er wünschte sich Ascona als "Republik der Heimatlosen, der Vertriebenen, des Lumpenproletariats". Mühsam lebte ab 1908 in München und gehörte der dortigen "Bohème" an (Franziska zu Reventlow, Stefan George, Oskar Maria Graf, Karl Wolfskehl). Beziehung mit Margarethe Hardegger. Verschiedene politische und journalistische Tätigkeiten. 1915 Heirat mit Kreszentia Elfinger, genannt Zenzl. Mühsam profilierte sich als politischer Aktivist: 1918 Teilnahme an der Novemberrevolution, Mitglied des "Revolutionären Arbeiterrates". 1919 Verhaftung und Verurteilung wegen Hochverrats: fünfzehn Jahre Festungshaft, Amnestie 1924. Nach der Haftentlassung Umzug nach Berlin. 1925-1929 Mitarbeit in der Gefangenenhilfeorganisation "Rote Hilfe Deutschlands", anschliessend publizistische Tätigkeit. Seine Beziehungen zu Ascona und den Menschen, die er dort getroffen hatte, hielt er sein Leben lang aufrecht: unter anderem Ursula von Wiese und Verleger Leon Hirsch. Mühsam hatte in den Jahren 1905 und 1931 Schriften über Ascona verfasst, sein Buch „Ascona“ wurde 1982 neu aufgelegt. – "Erich Mühsam war einer der ersten, die nach der Machtergreifung von den Nazis verhaftet wurden. Im Februar 1933 wurde er festgenommen und in verschiedene Konzentrationslager verschleppt. Ungebrochen durchlitt er 16 Monate der Demütigung und der schrecklichsten Folter. Um ihn vom Schreiben abzuhalten, brach man ihm die Finger. Und da er sich nicht freiwillig erhängte, wurde am 10. Juli 1934 ein Selbstmord fingiert. Bayerische SS-Leute haben ihn erst erdrosselt und dann im Klosettraum des Konzentrationslagers
Oranienburg aufgehängt. Offiziell: 'Der Jude Erich Mühsam hat sich in der Schutzhaft erhängt'."
„Anarchie, zu deutsch: ohne Herrschaft, ohne Obrigkeit, ohne Staat, bezeichnet somit den von den Anarchisten erstrebten Zustand der gesellschaftlichen Ordnung, nämlich die Freiheit jedes einzelnen durch die allgemeine Freiheit. In dieser Zielsetzung, in nichts anderem, besteht die Verbundenheit aller Anarchisten untereinander, besteht die grundsätzliche Unterscheidung des Anarchismus von allen andern Gesellschaftslehren und Menschheitsbekenntnissen. (…) Die Verneinung der Macht in der gesellschaftlichen Organisation ist das massgebliche Wesensmerkmal der Anarchie.“ Aus Erich Mühsam: „Die Befreiung der Gesellschaft vom Staat" www.erich-muehsam.de