Ruggero Leoncavallo
Maja Müller, Künstlerin

Maja Müller war die Gattin von Werner J. Müller. Aus dem „Ferien-Journal“ Nr. 72/2, vom 17. Mai 1963, Asconeser-Künstler Maja Müller, von Jeremias: „Es ist eine seltsame Welt, in die man gerät, wenn man bei Maja Müller zu Besuch ist. Grüne Pferde und blaue Pferde, grüne Kühe und rote Stiere, bunte Vögel, alles aus leuchtend farbigen Stoffen. Einen Hirsch mit goldenem Geweih hat sie gerade in Arbeit. Es ist eine Welt zauberischer Märchenstimmung, voller Geheimnis und Poesie, eine Welt kindlicher Phantasie und Vorstellung, eine Welt, in der das Ahnen wichtiger ist als das Wissen. „Ich wuchs in einer grauen Mietskaserne auf. Der Hausmeister war ein Lumpensammler. Die Lumpen, die er im Keller ausleerte, faszinierten mich. Und so ist es geblieben. Stoffresten ziehen mich mit einer fast magischen Kraft an. Aus ihnen mache ich meine Tiere. Ich arbeite ganz aus dem Stoff und aus der Farbe heraus. Ich konnte nie zeichnen, aber ich kann formen. Zuerst fertigte ich einfach Spielzeug für meine Kinder an. Dann aber gefielen die Tiere immer mehr auch den Erwachsenen. Und doch wollte ich wieder für die Kinder arbeiten. Da erhielt ich einen Auftrag der Berner Architekten Gret und Hans Reinhart, zwei Vitrinen für einen Kindergarten zu gestalten. Ich stellte zwei Märchen dar. Ein Waldmärchen nach Motiven der Brüder Grimm, das andere ein Märchen aus dem Tessin dun Graubünden. Zwei Jahre arbeitete ich daran.“
Nun sitzen die Kinder vor den Vitrinen und sehen den dunklen Wald und die schreckliche Hexe, aber auch den schützenden Engel, die grossen Berge und die kleinen Zwerge und das Eselchen mit der Laute. Sie sehen den Knaben, der das 13. Kind einer armen Familie war und sich seinen Weg selbst suchen musste, und wie er über alle Schwierigkeiten hinweg zu einem glücklichen Ende kommt. Es ist ein lichtvolles Märchen. Die Kinder sitzen davor, jeden Tag wieder, nie verleidet es ihnen, und sind angerührt vom schönen Geheimnis.
Unter allen Tieren ist es das Pferd, das Maja Müller am meisten anzieht. Vielleicht, weil seine Entwicklung so weit zurückreicht in die Anfänge des Lebens auf der Erde. „Es hat etwas so Fernes an sich“, sagt Maja Müller, „und vor allem die Augen des Pferdes haben einen unsagbaren Ausdruck. Aber auch das Pferd in der Beziehung zum Mensch regt mich zu immer neuem Gestalten an.“ Da ist zum Beispiel das goldene Pferd, auf dem sieben Könige sitzen. Warum so viele Könige? Vielleicht eine Emigration der Könige?
Maja Müller arbeitet in jeder freien Minuten die ihr der Haushalt lässt. „Wenn ich drei Tage weg bin, bin ich todunglücklich. Und ich stehe ja erst am Anfang.“ Maja Müller ist eine interessante Frau und sie hat eine interessante Familie. Ihr Mann ist Bildhauer, ihre Tochter Ninon eine hochbegabte Keramikerin und ihr Sohn eine grosse Hoffnung unter den Darstellern der menschlichen Komödie. Er heisst: Dimitri."