Ruggero Leoncavallo
Werner J. Müller, Architekt, Bildhauer und Maler

1899-1986, geboren in Winterthur, gestorben in Ascona

Schulen und Matura in Winterthur, anschliessend studierte Müller an der ETH Zürich Architektur. Tätigkeit in einem Glarner Architekturbüro. 1924 Bildhauerstudium in München. 1927-1931 Studienaufenthalt als Maler und Bildhauer in Paris. Heirat mit Maja Tschirren, Handweberin  und Kunsthandwerkerin. Auch Maja Müller war künstlerisch tätig. 1932 liess sich Müller im Vicolo Ghirglione in Ascona nieder und wirkte als Architekt und Künstler. Er schuf unter anderem Puppen für Jakob Flachs Marionettentheater. Geburt des Sohnes Dimitri, der einer der bekanntesten Clowns werden sollte. 1940, nach einer Erbschaft, Kauf des eigenen Hauses an der Via Madonna della Fontana, gleich hinter dem "Teatro San Materno" der Charlotte Bara, das Haus gehörte zuvor dem Maler und Bauhausarchitekten Otto van Rees. Gemäss Betty Wehrli Knobel, sie schrieb in ihrem "Frauen in unserem Land", Rotapfel-Verlag Zürich, 1970, über Maja Müller, hiess das Haus Casa Pianezz. Müller war Mitbegründer der "Associazione Artisti Asconesi, AAA". Freundschaft mit Julius Schmidhauser. Eine Bronzestatue, die Müllers Frau darstellt, steht im "Parco degli Angioli" in Ascona, weitere seiner Werke auf den Brissagoinseln. Auf seinem und dem Grab seiner Frau Maria auf dem Friedhof von Ascona ist die Skulptur einer sitzenden Frau. Zu Müllers 80. Geburtstag hielt der Präsident der „Amici delle Belle Arti“, Wladimir Rosenbaum, folgende Ansprache: „Lieber Freund, der 6. September 1980 soll ein grosser Festtag werden, ein Festtag für Sie, für Ihre Freunde, für alle Asconesen, für den Gemeinderat, für das Museo Comunale, für die „Amici delle Belle Arti“. Wir wollen, lieber Freund, Ihren 80. Geburtstg, den Sie in besinnlicher Stille auf sich haben zukommen lassen, nun auch öffentlich feiern und uns mit Ihnen freuen, Sie unter uns zu wissen. Wir wollen Sie zur Eröffnung der Ausstellung Ihrer Werke beglückwünschen. Wir wollen Ihnen zum 30-jährigen Jubiläum Ihres unermüdlichen Einsatzes für das kulturelle Leben von Ascona, das Sie mit musischem Sinn, entscheidend gefördert haben, danken. Wir wollen uns mit Ihnen, mit dem Gemeinderat und mit allen Bewohnern des Ortes, über die Wiedereröffnung unseres Museums freuen, auch mit einem Wort des Dankes und der Anerkennung für den Architekten, Herrn Bernasconi, der es so klug und geschickt umgebaut und vergrössert hat. Und wir wollen auch den „Amici delle Belle Arti“ - zur Hauptsache Ihr Werk, lieber Freund! - zum Jubiläum ihres 30jährigen Bestehens gratulieren. Auf diese lange Zeit Ihres selbstlosen Wirkens blicken wir alle mit Bewunderung zurück. Wir wissen es zu schätzen, dass Sie, neben Ihrer schöpferischen Tätigkeit als Architekt, Bildhauer und Maler, sich auch noch die viele Arbeit für unsere Vereinigung aufbürdeten und es weiterhin tun wollen. Dafür danke ich Ihnen herzlich. Ad multos annos, lieber Freund!“

Peter P. Riesterer schrieb im "Ferien-Journal" Nr. 210/4, von Juli 1980 unter "Asconeser Persönlichkeiten" über Werner J. Müller: "Der Maler, Bildhauer und Architekt Werner J. Müller, geboren 1899, liess sich nach seiner künstlerischen Ausbildung in München und Berlin 1932 in Ascona nieder, wo er heute noch die Ausstellungen im Museo Comunale betreut und als Custos der Marianne von Werefkin-Sammlung amtet. Er hat einzigartige Aquarelle in zarten Farben gemalt. Seine Arbeiten durfte ich in Zürich anfangs der Siebzigerjahre mitausstellen, als ich die „Künstler vom Lago Maggiore“ und der „Grosse Bär“ in Ascona vorstellte. Werner J. Müller hat viel für das kulturelle Ascona getan. Mir gegenüber hat er sich nie ganz geöffnet, auch in seinem Atelier, wo ich die herumstehenden Arbeiten aus verschiedenen Lebensabschnitten aufrichtig bewundern konnte, blieb er etwas zurückhaltend. Das sei so seine Art, sagte man in Ascona. Ich kann nicht verstehen, dass das Schaffen dieses Mannes nicht mit der verdienten Anerkennung anlässlich seines 80. Geburtstages gewürdigt wurde. Sein Denken ist so behutsam wie sein Umgang mit den Menschen, etwas bedächtig. Seine in Italien und Griechenland gemalten Bilder sind voller Licht und von einer Schwerelosigkeit und Reinheit. Wenn der Künstler nachdenkt, zieht er die Augenbrauen zusammen und lässt die Pfeife im Munde erkalten…"
Familie Müller, Vater links, Besucher, Mutter rechts, vorn Dimitri und Ninon