Ruggero Leoncavallo
gustaf nagel, Naturmensch und Wanderprediger

1874-1952, geboren in Werben, Deutschland, gestorben in Stendal, Deutschland

Eigentlich Gustav Nagel. Achtes Kind einer Wirtsfamilie. Seine Lehre als Kaufmann musste er wegen chronischen Katarrhs und Allergien abbrechen. Baute sich eine Erdhöhle und widmete sich der Naturheilkunde nach Sebastian Kneipp. 1900-1903 entmündigt. Er betätigte sich als Wanderprediger, lebte auf dem Monte Verità und in Jerusalem. Nagel war dreimal verheiratet. Auf einem Seegrundstück bei Ardensee in Deutschland richtete er ein Sonnen- und Brausebad und eine Kurhalle ein - er wurde zu einer Kuriosität. Er entwickelte eine eigene Rechtschreibung und gründete die "Deutsche kristliche Folkspartei". Nachdem er ab 1933 gegen Judenverfolgung und Krieg predigte, wurde er von den Nazionalsozialisen 1943 ins Konzentrationslager Dachau und 1944 in eine Nervenheilanstalt bei Stendal eingeliefert. Nach dem Krieg wurde er entlassen, doch 1950 wieder in die Anstalt verbracht, wo er 1952 an Herzversagen starb.
Ida Hofmann schrieb: "Gustav Nagel tritt am 17. November vor unsere erstaunte Gruppe. Heftiges Schneegestöber hindert ihn nicht, blossfüssig und nur mit einem kurzen Hemde bekleidet einherzugehen. Helle Freude breitet sich über die Züge der Anwesenden; denn der Anblick seiner Persönlichkeit wirkt erfrischend; er macht den Eindruck eines Genesenden, aber noch nicht Gesunden. Seine Gestalt, sein von lockigem Haar umwallter Kopf sind schön. Ausdruck und Haltung sind edel, sein Auge jedoch ist unstät – er lacht oft kurz und grundlos auf. Nagel zeigt uns Atteste von den bekanntesten deutschen Medizinern und Naturärzten, welche einstimmig seine vielfach angezweifelte Zurechnungsfähigkeit bestätigen, damit Nagel sich von der über ihn verhängten Kuratel befreien könne. Er verkauft viele Ansichtskarten mit seinem eigenen Bildnis an uns, schläft Morgens bis 11 Uhr, lässt sich sein Essen zum Bett bringen, hüllt sich tagsüber nackt in eine wollene Decke, friert dabei jämmerlich und eilt von Unruhe getrieben, nach zweitägigem Aufenthalt zum Schiffe, das ihn weiter nach Süden bringen soll."