Ruggero Leoncavallo
Johannes Nohl, Schriftsteller

1882-1963, geboren in Göttingen, gestorben in Weimar

Sohn einer Professorenfamilie. Er bereiste von 1903-1905, zusammen mit seinem langjährigen Lebenspartner Erich Mühsam, Norditalien. "Wir haben miteinander geteilt, was zu teilen war, wenig materielle und viel ideelle Schätze, wir haben zusammen die Schweiz gesehen, deren verschiedenste Kantone besucht, haben gemeinsam Nord-Italien durchstreift, uns gemeinsam die Bedrängnisse des täglichen Lebens um die Ohren geschlagen, gemeinsam gehungert, gedurstet, geschlemmt und gezechprellt, und sind schliesslich gemeinsam in Ascona - gelandet? Schwerlich, zunächst aber hängen geblieben." Nohl suchte die Nähe zu Dichtern und Künstlern, hatte Kontakt zu Ernst Bloch, Heinrich Maria Davringhausen, Gusto Gräser, Stefan George, Sigmund Freud, Otto Gross, Hermann Hesse, Emil Szittya, mit dem er eng befreundet war, und Karl Wolfskehl. 1918 Heirat mit Iza Prussak in Ascona (zwei Kinder, Scheidung 1927). Nach dem Ersten Weltkrieg verliess er Ascona und kehrte nach Deutschland zurück. Im "Ferien-Journal" Nr. 72/2, vom 17. Mai 1963 wurde Nohls Artikel "Die Asconesische Landschaft", erschienen 1928 im Sonderheft "Ascona" der Zeitschrift "Kunst der Zeit", Organ der Künstler-Selbsthilfe, Berlin-Frohnau, abgedruckt. Auszug: "In der dritten oder vierten Nachmittagsstunde suchen die Künstlereremiten Asconas Kühlung am See oder unter den Wasserfällen. Der Weg dorthin führt durch stäubendes Rebengelände. Höher hinauf drängen sich zwischen dem braunen Gestein Brombeeren und Wachholder, blühendes Heidekraut und die gelbe Lohe des Ginsters. Aus allen Ritzen der brennenden Felsen glänzen die blauen Äugelein raschelnder Eidechsen. Plötzliche Kühle und stärkeres Brausen melden die Nähe des Wasserfalls. Noch über einen schwanden Steg und von unbesteigbar baumumhangener Felswand stürzen die unbändigen Wasser. Die erdentblössten schwarzen Wurzeln der Kastanien zu beiden Seiten  tropfen und rinnen wie bei ewiger Schneeschmelze. Buschhohe Farne, Schachtelhalme und wilde Alpenveilchen umstehen die natürliche Felsenwanne, die von weissem Gischtschaum überkocht. Durch den blitzenden Nebel des Wasserfalls sind die sieben Farben des Regenbogens geschlungen, und silbergraue und grüne Libellen schwirren bald steigend bald sinkend in dem rötlichen Duft. In einer zweiten tiefergelegenen zackigen Schale wogt das Wasser noch wild verlangend und doch schon gebändigt. In einer dritten Schale strömt es still, und spiegelst du dich in ihm, so ist, als ob der Geist der Natur mit schöpferischer Innigkeit und Fülle uralt und urjung aus deinen Auchen schaue." Als freier Schriftsteller lebte er am Rande des Existenzminimums in Berlin, ab 1945 in Weimar, wo er Mitglied der "Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, SED" wurde. "Die Polizei hatte Nohl nicht nur als gefährlichen Anarchisten und Schmuggler im Visier. Seine treuesten Lebensgefährten über Jahrzehnte hinweg waren bittere Armut und literaturgeschichtliche Besessenheit." Peter Dukek in "Ein Leben im Schatten".