Ruggero Leoncavallo
Henry Oedenkoven, Finanzier, Besitzer des Monte Verità

1875-1935, geboren in Antwerpen, gestorben in Brasilien

Sohn eines Antwerpener Grossindustriellen. Oedenkoven war die treibende Kraft und Mitbegründer der "vegetabilen Cooperative" auf dem Monte Verità um 1900, zusammen mit den Brüdern Gusto und Karl Gräser, seiner Lebensgefährtin Ida Hofmann, deren Schwester Jenny und Lotte Hattemer. Er kaufte im Herbst 1900 den "Monte Monescia" für CHF 150'000 und taufte ihn in Monte Verità, Berg Wahrheit, um. Verkäufer war der theosophische Nationalrat Alfredo Pioda. Es entstand ein Sanatorium. 1913 heiratete er Isabella, eine Engländerin. 1920 machte er Karl Vester zum Verwalter Monte Verità, 1923 verkaufte er das Gelände an Werner Ackermann, Hugo Wilkens und William Werner, Vater des Asconeser Malers Fred Werner, und emigrierte mit seiner Familie und Ida Hofmann nach Brasilien. Dort baute er eine neue vegetabilistische Versuchsstation auf. Seine Spur verliert sich in Brasilien.
Aus dem "Ferien-Journal", Nr. 4 vom 14. August 1954, "Es war einmal ... Ascona!": "Oedenkoven überliess sein ursprüngliches Haus ebenfalls den Gästen und liess sich die heutige Casa Anatta bauen, das erste Haus mit Flachdach in Ascona. Hier zog er einen Kreis interessierter Menschen an sich, veranstaltete Hauskonzerte, Elly Ney war eine der bevorzugten Künstlerinnen, die sich hier hören liessen. Der Monte Verità hatte, seit er zu seinem eigentümlich bewegten Leben erwacht worden war, die verschiedenartigsten Menschen nach Ascona gezogen, Ascona war ein Begriff geworden, der nicht mehr auszulöschen war. Während des Ersten Weltkriegs erhielt der Monte Verità nur wenige Gäste und erst 1917 ist ein neuer Aufschwung zu verzeichnen. Die intellektuelle Internationale, die sich im Ersten Weltkrieg in Zürich zusammengefunden hatte, streckte ihre Fühler bis nach Ascona aus. Das Areal des Monte Verità war inzwischen auf 60'000 Quadratmeter angewachsen. Oedenkoven zog sich immer mehr von dem Betrieb zurück, der jetzt in den Händen einer Engländerin, einer Deutschen und eines Belgiers lag. Er sah, dass sein ursprünglicher Plan, hier die Zelle eines neuen Staatsgebildes zu schaffen, misslungen war. Eine Zeitlang vertraute er die Geschäftsführung einem buchstäblichen Hochstapler an, einem gewissen Reuss, der dem Ruf des ganzen Unternehmens sehr schadete. Oedenkoven verliess 1920 Ascona, gefolgt von seiner englischen Frau und seiner langjährigen, treuen Mitarbeiterin Ida Hoffmann. Der Monte Verità wurde verpachtet. Es wurde ein Kinderheim eingerichtet und ein Restaurant mit Musik und Tingeltangel."