Emil Oesch, Verleger

1894-1974, gestorben in Ascona

Aus dem „Ferien-Journal“ Nr. 163/5 vom Juli/August 1974, Emil Oesch, Lebensbild eines Verlegers, von E. St.: „Kurz vor Vollendung seines 80. Lebensjahres, Mitte Juni, starb in der Casa Antica in Ascona der Autor und Verleger Emil Oesch. Ohne zu übertreiben darf man sagen, dass Emil Oesch für unzählige Menschen aller Berufs- und Gesellschaftsschichten untrennbar mit den Begriffen der Menschenbildung und der praktischen Lebenshilfen verbunden ist. In einer Zeit, da das Menschliche und Wesentliche so sehr in Gefahr sind, kann die Lebensarbeit dieses Mannes nicht hoch genug geschätzt werden.
So vielfältig seine Tätigkeit auch war, so gradlinig und konsequent ist sie gekennzeichnet von einem einzigen Ziel: den Menschen in seiner Ganzheit zu fördern. Was er damit meinte, sagt er in der ihm eigenen klaren Sprache in seinem wohl bekanntesten Buch „Der Mensch am Steuer“: „Hinter jeder schöpferischen Tag, hinter jeder Arbeit stehen Menschen . Erst die Erkenntnis der eigenen Stärke und Schwächen ermöglicht uns, zielbewusst in der besten Richtung zu wirken.“ Selbstfindung, über die heute so viel gesprochen wird, hat nur ihren tieferen Sinn, wenn es den Menschen gelingt, über die Erkenntnisse seiner Persönlichkeit hinaus zur Tat zu schreiten und über die Verwirklichung einer Idee sich selber zu bewähren. Genau das war das innere Anliegen Emil Oeschs: Den Menschen in seiner beruflichen und persönlichen Lebensgestaltung zu fördern und ihm den Sinn für echte Leistung zu vermitteln.
Das Werk von Emil Oesch beginnt mit einer symbolhaften Tätigkeit. Als Leiter eines Unternehmens der Schuhindustrie mit 700 Mitarbeitern wollte er den Menschen durch gesundes Schuhwerk von Grund auf „in den Senkel“ stellen. Schon im Rahmen dieses Betriebes begann er mit der damals noch völlig unbekannten Personalschulung. Damit hatte Emil Oesch selber den Weg beschritten, der ihn zum bekannten und in weiten Kreisen der Industrie und des Handels geschätzten Unternehmensberater machte. Organisch aus dieser Tätigkeit wuchs dann das weite Feld seines persönlichen und verlegerischen Wirkens. Weder in seinen Kursen, die von über 25 000 Menschen besucht wurden, noch in seinen Büchern, hat Emil Oesch „primitive Erfolgsrezepte“ gegeben. Die angesehensten Schweizer Betriebe und Verbände schätzten ihn als ideenreichen Berater und haben ihre besten Mitarbeiter an seine Kurse delegiert, in denen er unzählige Menschen in Psychologie, Marketing und Werbung unterrichtete.
As Verleger begann Emil Oesch mit einem selbst geschriebenen „Bestseller“, als es diesen Begriff überhaupt noch nicht gab. Sein Buch „Der Mensch am Steuer“ hat in 18 Auflagen die Grenze von 100 000 weit überschritten. Es dürfte in der Schweiz kaum Geschäftsleute geben, denen die „Briefe an den Chef“ nicht bekannt sind.
Später war sein grosses Anliegen die Herausgabe der „Briefe an den Mitmenschen“, in denen er den heutigen Menschen in seiner geistigen Not zu seiner wahren Bestimmung führen wollte. Die Themen seiner gut besuchten Ferienkurse, die er in den letzten Jahren seines Lebens ind er Casa Antica in Ascona wählte, zeigen, dass er sich mehr und mehr um den geistig-seelischen Standort des Menschen bemühte. „Die Werte sind innen; aus ihnen erst ergibt sich die Substanz“.
Es ist bezeichnend für Emil Oesch, dass er mit 75 Jahren sein Buch „Älter werden – jung bleiben“ schrieb, war er doch selbst in seinen letzten Lebensjahren bis zu seinem Tode ein überzeugender Beweis für eine erstaunliche körperliche und geistige Vitalität.
Im Frühling dieses Jahres konnte er mit seiner Frau Emilia, die während 50 Jahren regen Anteil am Verlag genommen hat, das Fest der goldenen Hochzeit feiern.
Emil Oesch war Kunstkenner aus Passion. Ebenso leidenschaftlich liebte er seinen Garten. Was er geistig säte, hat unzählige Menschen den wesentlichen Werten des Daseins gebracht.“