Osswald-Toppi
Margherita Osswald-Toppi, Kunstmalerin und Bildhauerin

1897-1971, geboren in Rom, gestorben in Ascona

Margherita lebte seit 1919 mit ihrem Mann, ebenfalls ein Künstler, in Ascona in der Casa San Cristoforo, sie gehört heute zum Hotel al Porto, am alten Hafen von Ascona. Sie war bekannt für feinfühlige, impressionistische Malerei und schuf unter anderem auch Wandmalereien am Haus "zur Münz" in Zürich. Im April 2009 präsentierte das „Museo Hermann Hesse“ in Montagnola die Ausstellung: „Frauen am Rande… oder die andere Perspektive – Hermann Hesse und Maria Holzleitner, Elisabeth Rupp und Margherita Osswald-Toppi“.
Aus dem „Ferien-Journal“ Nr. 22/7, vom 8. September 1956, Asconeser-Künstler, von Doris Hasenfratz: „Margherita Osswald-Toppi, die in Rom das Licht der Welt erblickte, hat sich Ascona zur Wahlheimat erwählt. In Rom und dem in der Nähe gelegenen Künstlerort Anticoli hat sie ihre Jugend verlebt.
Die Farben und Formen dieser Landschaft, die grosszügigen Linien der Campagna, haben sie beeindruckt, und wenn sie auch schon in jungen Jahren als Frau des Bildhauers Osswald nach Zürich kam, haben doch Farbe und Luft der italienischen Landschaft sie in ihrem gesamten malerischen Schaffen beeinflusst. Sie war noch keine zwanzig Jahre alt, als von ihr entworfene Reliefs von der Universität Zürich erworben wurden. Der Bildhauer Hermann Haller, der sie von frühester Kindheit her kannte, sagte eines Tages zu ihr: „Margherita, du wirst eine wunderbare Zukunft haben, und deine Werke werden bleiben“. Und in der Tat. Die Künstlerin hat das seltene Glück schon zu ihren Lebzeiten anerkannt zu werden. Museen und Sammler kaufen ihre Bilder, die, seien es Blumenstücke, Landschaften oder figürliche Darstellungen, sofort ihre Palette erkennen lassen.
Die Blumenbilder aus ihrer letzten Schaffensperiode zeigen eine wesentliche Auflockerung in Form und Farbe, sie bringt das Wesentliche einer jeden Blüte nah. Margherita Osswald-Toppi bevorzugt ein kräftiges Blau und Grün, das miteinander kontrastiert und meist vor einem leicht gelblich-grünlichen Hintergrund gesetzt wird. In immer zunehmendem Masse beschäftigen sie figürliche Kompositionen. Sie ist sich in der Darstellung ihrer Figuren treu geblieben. Immer ist es der gleiche Typ eines braunhäutigen, grazilen Mädchens mit sehnsuchtvollen, mandelförmig geschnittenen Augen. Es ist sie selbst als junges Mädchen. Vielleicht ist unbewusst in ihr die Sehnsucht nach der Campagna wach geblieben, die sich in den Ausdruck ihrer Gesichter überträgt und in dieser Sehnsucht hat sie den Blick zurückgewendet auf ihre eigene Jugend, die uns aus ihren Kompositionen anspricht. Auch in den figürlichen Darstellungen hat sich bei ihr eine Wandlung vollzogen. Sie sind grossflächiger, einfacher geworden und vermeiden jeden spielerischen Akzent.
Der Sinn für Schönheit, Harmonie und edle Formen, den wir in all ihren Bildern begegnen, spricht sich auch in ihrem Wohnhaus aus. Ihr Haus gehört noch zu den wenigen, die sich in ihrem alten Stil erhalten haben. Inmitten Pseudo-Modernität der Nachbarhäuser wirkt es wie ein Edelstein, der durch ihre fürsorgliche Hand vor jedem falschen Schliff  bewahrt wurde. Es ist das Heim eines sensiblem Künstlers, der hier im Heren des Ortes und doch in absoluter Stille unermüdlich an neue Werke geht.“
Aus dem "Ferien-Journal" Nr. 136/2 vom 8. Mai 1971, Zum Gedenken an die Malerin Margherita Osswald-Toppi, von E.R.: „Am 28. März starb Margherita Osswald-Toppi in Anticoli-Corrado bei Rom, dem Ort, aus dem sie stammte. Die Malerin gelangte schon in jungen Jahren zu Ruhm und Ansehen. Sie war in ihrer Jugendzeit eine Schönheit und stand in Anticoli-Corrado vielen Künstlern Modell. So lernte sie den Schweizer Bildhauer Paul Osswald kennen, der die Skulpturen auf dem Dach des Palastes auf den Brissago-Inseln geschaffen hat. Sie verheiratete sich mit ihm und zog mit ihm in die Schweiz und liess sich später in Ascona nieder. Sie war kaum zwanzig Jahre alt, als die Universität Zürich ein von ihr entworfenes Relief erwarb. Bald kauften auch Sammler und Museen Werke von ihr an, was sie zu immer neuem Schaffenseifer anspornte. Bis zu ihrer Erkrankung arbeitete die Künstlerin unermüdlich. Ihre einzigartigen Landschaften erinnern an die Weite und die Farben der Campagna ihrer Heimat. Auch in den eindrucksvollen Mädchenbildnissen dominiert der warme erdfarbige Ton der Campagna. Von ihrer grossen Kunst zeugen auch die Blumenstilleben, deren leuchtende Farben vor einem meist zart getönten Hintergrund herrlich zur Geltung kommen.

Letztes Jahr fuhr die Künstlerin – schon krank – von Ascona, das ihr zur zweiten Heimat geworden war, wieder nach Anticoli-Corrado, um sich pflegen zu lassen. Ihre Freunde wussten, dass es für sie keine Genesung von der heimtückischen Krankheit gab. Die Künstlerin, die ein arbeitsreiches, glückliches Leben hinter sich hatte, ertrug ihr Leiden mit Fassung.

Bevor Margherita Osswald-Toppi in das Haus im Saleggi an der Via Vorame zog, wo sie nebst Wohnung und Atelier eine Galerie einrichtete, lebte sie viele Jahre in der Casa San Cristoforo, einem alten Tessinerhaus mit wunderschönem Hof und Loggien, an der Via Beato  Berno. Während den Jahren, die sie dort lebte, hat sie vielen Künstlern Gelegenheit gegeben, ihre Werke unter den Arkaden und im grossen Parterre-Raum auszustellen. Die Lichtverhältnisse waren jedoch für Ausstellungen nicht sehr günstig.

Margherita Osswald-Toppi hinterlässt ein grosses Oeuvre. Aber sie war nicht nur eine grosse Künstlerin, sondern auch ein liebenwürdiger, wertvoller Mensch.“



Margherita Osswald-Toppi mit Hermann Hesse