Ruggero Leoncavallo
Ruggero Leoncavallo
Gräfin Franziska zu Reventlow, Schriftstellerin und Malerin

1871-1918, geboren in Husum, Deutschland, gestorben in Locarno

Tochter einer preussischen Adelsfamilie. Nach der Trennung von ihrer Familie 1895, lebte sie hauptsächlich in München, wo sie bald prominentes Mitglied der "Bohème" wurde. Kontakte mit Heinrich Maria Davringhausen, Stefan George, Oskar Maria Graf, Anthony van Hoboken, Erich Mühsam, Georg Schrimpf und anderen. Sie pflegte mehrere Männerbeziehungen, unter anderem zu Karl Wolfskehl. 1910 kam sie nach Ascona und mit ihr Angehörige der „Bohème“.  Sie schrieb gerne beim "Roccolo von Ascona". 1911 heiratete sie, in zweiter Ehe, den adligen Alkoholiker Rechenberg aus dem Baltikum - eine Scheinehe zwecks Erbsicherung. Die Entstehung dieser Verbindung beschrieb Erich Mühsam in "Wiedersehen mit Ascona". Die Reventlow selbst schrieb in ihren „Briefen“, was ihre Hochzeit in Ronco sopra Ascona wirklich war: eine Komödie. Statt der erwarteten Erbschaft von 100'000 Franken erhielt sie nur deren 40'000. Sie legte das Geld auf  Bankkonten an, kurz darauf verlor sie es durch Bankrott ihrer Bank, des „Credito Ticinese“. Bei Szittya tönte diese Geschichte folgendermassen: "Wir beratschlagten jahrelang, wie wir Rechenberg eine Familie beschaffen könnten, bis es sich endlich Erich Mühsam zur Pflicht machte, ihm eine Frau mit einem Kinde zu verschaffen. Das Opfer war die Schriftstellerin Gräfin Reventlow (eine in Deutschland sehr bekannte Schriftstellerin). Sie brauchte Geld und heiratete darum den Baron Rechenberg; aber, wie es schon in derartigen Kinostücken Sitte ist, es gab im Testament eine Klausel, nach der sie die Erbschaft doch nicht bekamen, sondern ihr Sohn. Gräfin Reventlow schrieb darauf aus Grauen über die unangenehme Affaire einen Roman "Geldkomplex"." 1916 zog sie nach Muralto, wo sie schrieb und im Casino von Locarno als „Lockvogel“ arbeitete - sie spielte ohne Schulden bezahlen zu müssen und ohne Gewinne einstecken zu dürfen. Die Reventlow stand in enger Beziehung zum Locarneser Rechtsanwalt Mario Respini-Orelli. Sie starb an den Folgen eines Sturzes vom Fahrrad in der ehemaligen Clinica Balli in Muralto. Ihr Wandgrab befindet sich auf dem Friedhof Santa Maria in Selva in Locarno. Rechts von ihr wurde ihr einziger Sohn Rolf (1897-1981) bestattet. "Von dieser ausserordentlichen Frau, dem innerlich freiesten und natürlichsten Menschen, dem ich begegnet bin, gleichmässig ausgezeichnet von höchstem weiblichen Charme, gepflegtester geistiger Kultur, kritischer Klugheit, anmutigstem Humor und vollkommenster Vorurteilslosigkeit, wird in anderen Zusammenhängen mehr zu sagen sein." Erich Mühsam. Im Winter 1898 schriebt Rainer Maria Rilke an Franziska Gräfin zu Reventlow: "Meine liebe Gräfin, Ihr gütiger Brief und das schöne, glückliche Bild lassen mich nicht zögern. Mit wendender Post sollen Sie den Dank dafür erhalten. Sie Liebe, so ist das Glück, welches Sie längst verdient haben und in dessen Adventszeit die Sorge Sie viel gequält hat, als strahlende Sonne in den Augen des kleinen Rolf aufgegangen und liegt nun in stiller und heiliger Verklärung über Ihren neuen tiefen Tagen. Wenn wir nicht zwölf Bahnstunden voneinander wären, würde ich Sie nun in Ihrem Heim (wie verdient es nun diesen Namen!) aufsuchen, wissen Sie, recht treuer Freude voll und Ihnen beide Hände reichend, liebe junge Frau, und Ihnen mit meinem Schweigen d a s ganz sagen, was ich nun nur mühsam und unvollkommen in den Worten gebe. Diese innige Freude, diese Madonnenmutterverehrung und diese ganze Schar reicher Wünsche für morgen und übermorgen und für alle Zeit des heiligen Reifens. - Sehen Sie: einstweilen habe ich ein Gedichtbuch zusammengezimmert, und Sie haben, starke Freundin, aus Ihrem jungen Leben ein Gedicht gemacht. Und zwar: kein sehnsuchtweinendes Lied, eine helle Hymne mit vollen glänzenden Klängen scheint mir, was aus Ihrer schönen Einsamkeit in meine Stunden herüberklingt. Das Jahr 98 fängt selig an für Sie, und ich habe diesen treuen Wunsch: seine Tage möchten Ihre holde Einsamkeit achten und auf den Zehen, reiche Geschenke an die Schwelle legend, an Ihrem Hause vorübergehen. Jedenfalls komme ich später, im Frühjahrsbeginn nach München. Vorher erzähl ich nochmal gelegentlich von mir. Nur noch, was ich immer tat: bitte, muten Sie Ihren Kräften nicht zu viel zu; denken Sie, Sie müssen gesund bleiben, es gibt ein lieber Wofür! Ich bitte, bedenken Sie das. Und der kleine Rolf ist ein reizender, nachdenklicher kleiner Held, der mir sehr gefällt. Und was er Ihnen im Blühen vormacht, tun Sie's munter mit, liebe Mutter! Also, Gräfin, lassen Sie sich diese Hymne gefallen, und lassen Sie Ihre gütige Erinnerung über mir. Ich möchte jetzt sehr greise sein oder sehr weise oder sonstwie was wert, damit ich die Hände ausbreiten und sagen dürfte: Ich segne Sie. So aber reich ich sie Ihnen über alle Weiten - beide: Glück auf! Ihr Rainer Maria Rilke."