Ruggero Leoncavallo
Jonny Rieger, Vagabund und Schriftsteller

1908-1985, geboren in Berlin, gestorben in Fredensborg, Insel Seeland, Dänemark

Kam zum Kriegsbeginn 1914 in die Schule. Anschliessend Ausbildung als Ziseleur, Metallbildhauer. 1931 Tätigkeit als Reporter der „Arbeiter Illustrierten Zeitung“ und in anderen Berufen. Rieger emigrierte 1932 quer durch Europa nach Dänemark, wo er bis zu seinem Tod lebte. Dort verfasste er Reiseberichte, Erzählungen und Romane. Zu seinen bekanntesten Werken gehörte „Ein Balkon über dem Lago Maggiore“, erschienen 1957. Er hielt sich in Fritz Jordis Künstlerkolonie  in Fontana Martina auf. Rieger war befreundet mit Jo Mihaly, Jakob Humm und Ignazio Silone. Jonny Rieger über sich selbst: "Als ich achtzehn bin, brechen Wandertrieb und der ewige, ungestillte Hunger nach dem Leben endgültig und unaufhaltsam durch: Vagabund, Landstrasse. Wieder und wieder Landstrasse. Der Beruf taugt nichts. Nicht eine Brotkrume ist er wert, trotz dem Prüfungsprädikat "Sehr gut", trotz dem "Preussischen Staatspreis" bei einer Ausstellung von Berufsarbeiten, trotz dringenden Empfehlungen an die Akademie der Künste. Alles einen Dreck wert. Das Kunsthandwerk verludert - die Werkstätten wurden geschlossen. Krise! Krise! Also: immer nur Gelegenheitsarbeit. Immer wieder Arbeitslosigkeit, immer wieder Hunger, Mittellosigkeit, Obdachlosigkeit, Bettler, Vagabund. Und weiter, immer weiter unterwegs: Hunger nach Brot und nach dem Leben dieser Welt. Und so viel gemordete Sehnsucht und Liebe... So - so wars; und alles das war ich. Und dabei habe ich gelesen und gelernt, gelernt und gelesen und aus der Überlast des Erlebens zu begonnen: Artikel, Skizzen, Reportagen, Kurzgeschichten, Novellen. Nicht viel; sehr langsam, sehr wenig, sehr sparsam und kritisch."