Curt Riess

 


Curt Riess, Schriftsteller und Publizist, Dr. phil.

1902-1993, geboren in Würzburg, gestorben in Zürich

Sohn einer jüdischen Familie. Nach dem frühen Tod seines Vaters Bernhard Stainam (1912), wurde Curt von seinem Siefvater Carl Riess adoptiert. Schulen in Würzburg und Berlin, Studium in Heidelberg, Paris und München. Riess begann seine journalistische Laufbahn in den USA. Er war in Berlin als Sportjournalist und Redakteur tätig. Reisen durch ganz Europa. 1933 Emigration nach Paris. Arbeitete für "Paris soir" in den USA und berichtete für 25 europäische und amerikanische Blätter. Im Zweiten Weltkrieg war er Deutschland-Spezialist in der US-Marine, später Kriegsberichterstatter in Europa. Anschliessend war er in den USA als freier Schriftsteller tätig, verfasste Artikel und Serien für Zeitschriften, schrieb Sachbücher, Romane Biografien und Filmdrehbücher (u.a. die "Goebbels-Biografie" , "Ascona, Geschichte des seltsamsten Dorfes der Welt" und "Das Schauspielhaus Zürich"). Lebte ab 1952 in der Schweiz, in Ascona und Zürich. Riess war mit der Österreicherin Heidemarie Hatheyer aus Villach in Kärnten, einer Film- und Theaterschauspielerin ("Geyer-Wally", 1940) verheiratet. Er war einer der vielseitigsten und erfolgreichsten deutschsprachigen Schriftsteller.
Teil- und Liebhaber, Curt Riess wird neunzig – Betrachtet man die neun Jahrzehnte seines Lebens und glaubt man den Geschichten, die Curt Riess darüber erzählt, dann könnte man meinen, kein Prominenter des zwanzigsten Jahrhunderts wäre um ihn herumgekommen. Er war gut mit Marlene Dietrich, eng mit Josephine Baker befreundet, mit Alma mahler-Werfel liiert, mit Edda Mussolini verbandelt. Franklin D. Roosevelt ordnete an: „Sie bleiben zum Luncheon, Curt!“ Churchill bat: „Sie müssen mich öfter besuchen!“ Elisabeth Bergner nahm ihn mit nach Hause – damit er ihre Rollen abhörte. Max Reinhardt engagierte auf Empfehlung des damals dreizehnjährigen Würzburger Gymnasiasten Riess den Schauspieler Werner Krauss vom Fleck weg. Er kannte Grüngens, Brecht, Klaus, Thomas und Erika Mann, Käthe Dorsch, Max Schmeling, Furtwängler, Leopold Lindtberg. Wenn er nicht mit dem Kennenlernen von bedeutenden Leuten beschäftigt war, hatte er sieben Fernsehserien zur gleichen Zeit in Arbeit oder schrieb eine Unmenge Bücher: über Sport, Hollywood, Gründegens, das Theater, Furtwängler, Goebbels, Stalin, Swissair, Erotik, Schallplatten, Medizin, Jacqueline Kennedy, die Mode, die Geschichte der Inserate, Homosexualität, Frauenärzte und die Schauspielerin Heidemarie Hatheyer, mit der er verheiratet war. Curt Riess lebt heute in Zürich. Er ist gebürtiger Würzburger, amerikanischer Staats- und Schweizer Weltbürger. Er sammelte kaufmännische Erfahrungen in den Vereinigten Staaten, lernte als Sportreporter beim „12-Uhr-Blatt“ in Berlin, war zwischen den Kriegen Amerika-Korrespondent für fünfundzwanzig europäische und Europa-Korrespondent für viele amerikanische Blätter. Im Krieg war er der Europa-Spezialist der US-Navy, nach dem Krieg der Antisowjet-Spezialist der Illustrierten „sie“. Er dilettierte als Theaterkritiker, verfasste Drehbücher, Spionagegeschichten, verdingte sich als Biograph. Ein Hansdampf in allen Sparten, falls sie sich in berühmten Namen und möglichst sensationellen Begebenheiten fassen lassen. Er ist als Zeitzeuge der alles in Anektoden verarbeitende Lieb- und Teilhaber. Morgen feiert er seinen neunzigsten Geburtstag. – Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. Juni 1992, G.St.