Walther Rode, Rechtsanwalt und Schriftsteller

1876-1934, geboren in Czernowitz, Ukraine, gestorben in Comologno

Eigentlich Rosenzweig. Sohn einer grossbürgerlichen Familie. Studium in Czernowitz und Wien. Wurde 1915 aus gesundheitlichen Gründen aus dem Militärdienst entlassen. Eigene Anwaltskanzlei und publizistische Tätigkeit in Wien. Nach Differenzen mit dem "Beamtentum" 1928 Ausreise in die Schweiz, nach Genf. Er starb im Haus seines Freundes Wladimir Rosenberg, dem "Castello della Barca" in Comologno, wo sich zum Zeitpunkt seines Todes auch Aline und Wladimir Rosenbaum und die Künstler Max Bill und Max Ernst aufhielten. Er war beim Tanzen tot umgesunken. Bei Ernst Schmid, www.maxbillfilm.ch, liest sich dieser tragische Vorfall wie folgt:
"1934 wollten Max und Binia Bill nach Comologno fahren. Max Ernst sollte ihr Haus hüten, doch dieser stieg einfach in den Wagen und fuhr mit. In der Barca planten dann die beiden Maxen gemeinsam ein politisches Attentat auf den nationalsozialistischen Religionswissenschaftler Wolfgang Hauer (1881-1962), der in Ascona an einer Eranos-Tagung im Umfeld des Psychiaters C. G. Jung teilgenommen hatte. In Allegorie auf die Bibel wollten Max Bill und Max Ernst über die Kleider des Opfers Pech ausgiessen und es anschliessend mit Federn bestreuen. Gleichzeitig sollte die Aktion fotografiert und in der New York Times publiziert werden. Bill und Ernst weihten auch Wladimir Rosenbaum ein. Bei diesem Gespräch abends am Kamin der Barca war auch der österreichische Rechtsanwalt und Schriftsteller Walther Rode dabei, der interveniert haben soll: „Das dürft ihr mit diesem Mann nicht machen.“ Er sei auf wissenschaftliche Weise zu seinen Erkenntnissen gekommen, und wenn er diese nun vertrete, dann sei das seine Sache; es werde ja vielleicht einmal nachgewiesen, dass das alles nicht stimme, aber er solle das erzählen dürfen.

Schliesslich gelang es dem laut Gastgeberin Aline Valangin „mit drolligen Ausdrücken im Wienerton“ sprechenden Anwalt, die beiden Künstler und potenziellen Attentäter von ihrer Performance abzuhalten. Einige Tage nach diesem Gespräch lud Aline Valangin zum Tanzfest ein, das sie alle Jahre einmal mit der Dorfjugend feierte. Rode, der an diesem Tage lange mit Rosenbaum Schach gespielt hatte, tanzte mit einem schönen Tessiner Mädchen, das in der Tracht und in Holz-Zoccoli erschien, war sofort vernarrt in die liebliche Erscheinung und neckte sie auf galante Art, sie werde noch ihre Schuhe verlieren, wenn sie so weitertanze; er warte bloss darauf. Sie soll vergnügt zurückgegeben haben, das komme niemals in Frage. Die Hänselei ging hin und her, erfasste bald die andern, und dann wurde darüber gewettet. Es war spät geworden, gegen Mitternacht. Plötzlich sei das Mädchen aus seinen Zoccoli herausgerutscht und habe barfuss weitergetanzt. Rode habe gejubelt und gerufen: „Finalmente, endlich!“ Mit diesen Worten sei er unmittelbar neben Max Bill tot umgefallen. Es war der 12. August 1934.

Max Ernst und Bill legten den Toten in der Bibliothek auf einen Tisch. Eigentlich hatten die Gastgeber Max Ernst Bibliotheksrestriktionen auferlegt, weil sie wussten, dass er gerne aus den Büchern Seiten mit Abbildungen herausriss, denn solche Abbildungen verwendete Ernst für seine berühmte „Une Semaine de Bonté“. Doch Max Ernst hatte Aline Valangin versprochen, davon abzusehen, und zu dieser Stunde war sie mit Wladimir Rosenbaum schon ausser Haus, um die Witwe von Walther Rode von dessen Schicksal zu benachrichtigen.

Ein paar Tage darauf fuhr Max Ernst nach Ascona, traf dort zufällig die erst 20-jährige Künstlerin Meret Oppenheim und nahm sie mit in die Barca. Sie soll umwerfend schön und eine Augenweide für alle Anwesenden gewesen sein. Doch oft bekam man die beiden dann offenbar nicht zu Gesicht, da sich die frisch Verliebten sofort ins Turmzimmer zurückgezogen hatten und kaum mehr aus dem gemeinsamen Bett herausfanden. Jedenfalls sprach Meret Oppenheim später über ihre zwei Jahre lang anhaltende Beziehung zu Max Ernst von einer „leidenschaftlichen Liebe auf beiden Seiten“."