Ruggero Leoncavallo
Christian Rohlfs, Kunstmaler

1849-1938, geboren in Gross Niedorf, Deutschland, gestorben in Hagen, Deutschland

Rohlfs stürzte 1864 von einem Baum und verletzte sich dabei schwer. Sein Arzt gab ihm Zeichenmaterial gegen die Langeweile,  erkannte sein künstlerisches Talent und unterstützte in der Folge seine Ausbildung. Rohlfs studierte an der Kunstschule in Weimar. Ab 1884 freischaffender Künstler. 1873 musste einer chronischen Knochenmarkentzündung wegen ein Bein amputiert werden. Ab 1901 Lehrauftrag an der "Folkwangschule" in Hagen. Ab 1910 wendet er sich eindeutig dem Expressionismus zu. 1919 Heirat mit Helene Vogt. Im Nazi-Deutschland galten seine Bilder als "entartet". Rohlfs lebte und arbeitete von 1927-1938 in den Sommermonaten in Ascona. 1927 malte er "Kirche in Brissago", 1932 "Haus in Losone", 1933 "Haus im Maggiatal", 1934 "Ascona See", 1936 "Abendlicht am Lago Maggiore", 1937 "Magnolie von San Materno". Er starb in seinem Hagener Atelier, als "entarteter" Künstler verfemt.
Helene Rohlfs in "Christian Rohlfs, Blätter aus Ascona, 1955, Piper Verlag, München: "Christian Rohlfs war 78 Jahre, als ihm sein Arzt riet, im Süden zu leben. Rohlfs war nie im Tessin oder in Oberitalien gewesen. Als er zum ersten Mal nach Ascona fuhr, tat er es mit Vorbehalt, ja, er hatte Angst vor zuviel „Süsse" dort, und die ersten Wochen vergingen in Versuchen, zu der später so geliebten Landschaft Zugang zu finden. Im Saleggi, der mit Birken und Gebüsch durchsetzten Maggia-Niederung, die uns an norddeutsche Flusswiesen erinnerte, fühlte er sich zuerst wohl; dann eroberten ihn die Blumen, vor allem die grosse Magnolie von San Materno und die Lotosblüten. Fahrten in die Täler mit den chinesisch anmutenden Felslandschaften und Wasserfällen, alten Kirchen und Burgen, Dörfern und römischen Brücken bezauberten ihn. Im dritten Ascona-Jahr machte uns der Schweizer Sänger Meili auf die eben vollendete Casa Margot aufmerksam, die auf einer Landspitze unterhalb der Strasse hart am See liegt. Sie wurde für die folgenden Jahre unser Zuhause. Der ganze immer wechselnde Zauber der grossen Seefläche in seiner strahlenden Lichtfülle, die ruhigen Berglinien, der gewaltige Himmel, die vielen in fast tropischer Fülle blühenden Blumen des Gartens machten Rohlfs heiter und gesund wie nie zuvor.
Vom Frühling bis in den Dezember blieben wir dort; das Leben war ein glücklicher Rhythmus von Arbeit und Spiel. Während Rohlfs auf seiner Terrasse mit einer für sein neuntes Jahrzehnt fast unbegreiflichen Intensität malte, arbeitete ich im Garten. Nachmittags jedoch gab es Gespräche und Spiele. Da wurde er, dank seinem geübten Auge und der sicheren Hand, bald zu einem Bocciaspieler, den sogar die Tessiner, die über die Mauer gelehnt zuschauten, als Meister anerkannten.
Freunde kamen: aus Deutschland Wilhelm Abegg, der Staatssekretär. Siddi Heckel und Schmidt-Rottluff, Harry Graf Kessler, Hans Bethge und Hatzfelds mit ihrer drolligen kleinen Tochter, aus dem benachbarten Ronco Richard Seewald mit Felix, dem Pudel. Maria Marc lebte einge Monate bei uns. Wilhelm Valentiner kam aus Detroit. Karl Lilienfeld mit seiner Frau aus New York, aus Paris kam André Germain und die Tänzerin Tatjana Barbakoff, die jedes Jahr unser Gast war und Rohlfs zu einem Zyklus von Aquarellen und Zeichnungen anregte.
An Sommerabenden sassen wir meist mit Freunden auf der Terrasse und erlebten bei anregenden Gesprächen die farbige Nacht. Und wie viele Abende sassen wir schweigend auf der Brüstung und beobachteten, wie über den schimmernden Randlinien des Monte Tamaro der Himmel heller wurde, endlich der Mond erschien und die Welt mit seinem Licht erfüllte und die grossen weissen von Lilien und Hortensien zum Leuchten brachte, wie die Boote auf dem See im Mondschein dahin glitten oder manche unserer Freunde ein nächtliches Bad genossen!
Am Morgen und am frühen Nachmittag war die Terrasse, auf der Rohlfs arbeitete, streng tabu. Nur die Vögel hielten sich an kein Verbot, sie sassen auf der Brüstung bei ihrem Futter, tranken aus des Malers Wasserschale, ja, einmal sass sogar einer der dort so scheuen Spatzen oben auf der Kante des Malbretts, während Rohlfs arbeitete - sie störten sich beide nicht.
Glückliche Ascona- Jahre!"