Ronco-Campanile

Ronco sopra Ascona, Campanile

Bulletin der römisch-katholischen Kirchgemeinde von Juni 2009, aus dem Archiv der Pfarrei Ronco s/Ascona: Man konzipiert keine Kirche ohne ihren Kirchturm mit den Glocken, die mit harmonischem Klang die Gläubigen zum Gebet rufen. Zudem diente in der Vergangenheit der Kirchturm auch dazu, die Zeit anzuzeigen, falls er mit einer Uhr versehen war. Dieser Dienst ist heutzutage nicht mehr so wichtig, da alle eine Uhr tragen oder die Uhrzeit per Radio oder Fernsehen erfahren können. Dennoch erhalten die Kirchtürme noch immer viel Bewunderung unter verschiedenen Aspekten. Darum sprechen wir auch ein wenig von unserem, auch wenn es eigentlich nur ein ganz gewöhnlicher Kirchturm ist. Er ist das erste, was man von Ronco schon von weitem her sehen kann, sei dies bei Tag oder bei Nacht. Die Roncolesen sind sehr stolz auf ihren Kirchturm, auch wenn er bedauerlicherweise nicht im jüngst erschienen Buch „Tessiner Kirchtürme“, herausgegeben von der Vereinigung zur Erhaltung der Schönheiten der Natur und der Künste, erwähnt worden ist.
Die alten Roncolesen haben ihre Kirche an einem idealen Platz erbaut. Der Turm präsentiert sich von selbst, nicht nur weil er so gut sichtbar ist und der Klang seiner Glocken sich weit verbreitet, sondern auch, weil das Datum seiner Entstehung gut sichtbar ist, oben, neben der Hauptglocke auf einem grossen Stein: 1563. Vielleicht wurde, um eine solche Höhe zu erlangen, auch ein paar Jahre früher begonnen und vielleicht wurde der Rest auch ein paar Jahre später fertig erstellt, sicher ist jedoch, dass 1563 die obere Zelle des Turms erreicht wurde. Magister Betté erwähnte in seinen Memoiren, die er kurz vor seinem Tod zu Beginn des 20. Jahrhunderts schrieb, dass eigens für den Bau des Turms ein Brennofen angefertigt wurde, in dem besonders harter Kalk gebrannt werden konnte. Anlässlich eines Pastoralbesuchs von 1591 wurde der Kirchturm erstmals erwähnt: Man sagt er sei Teil des Mittags und habe drei Glocken. Viel später, 1669 notierte man, er stehe östlich der Kirche, quadratisch, hoch, in der Spitze endend, ein Globus und ein Kreuz. Aus den verschiedenen Kirchgemeindebüchern geht mehrmals hervor, dass Reparaturen am Turm oder den Fundamenten notwendig waren, manchmal auch, dass das eine oder andere neu zu konstruieren gewesen war. 1749 wurde zum ersten Mal eine Uhr angebracht, die 1776 von einer anderen ersetzt wurde. 1827 wurde die Sonnenuhr auf der Seite der Kirche angefertigt und es wurde entschieden, das römische Zifferblatt der Uhr durch eines mit arabischen Ziffern zu erneuern, damit es auch für die Frauen besser lesbar sei.... 1860 zerstörte ein Blitz die urtümliche Turmspitze: sie wurde rekonstruiert in der heutigen Form, die auch in der letzten Restaurationsarbeiten 1960-1961 respektiert wurde. 1903 wurden die aktuellen Glocken verschmolzen, dazu wurden (leider) die antiken Glocken benutzt... Das von Hand zu spielende mechanische Glockenspiel in F-Dur „a“ wurde von der Firma Angelo Bianchi aus Varese, eingerichtet, 1966 wurde es von der Firma Filippi di Chiari (Brescia) elektrifiziert.
So ragt der Turm, noch immer jung, weiter in unseren schönen Himmel hoch, ungeachtet der Jahre, die da vergehen. Er zeigt uns die Stunden an, die da vergehen, er verkündet uns Geburten mit fröhlichem Glockenschlag und mit der traurigen Totenglocke das Ableben von Roncolesen – er lädt uns zum Gebet ins Haus des Herrn. Ein ewig schöner Dienst.