Ronco sopra Ascona

Ronco s/Ascona war ursprünglich ein Anbaugebiet für Reben und Olivenbäume. Der Name Ronco, so wird angenommen, entstammt dem lateinischen Verb „runcare“, was roden heisst. Ronco als Ortsbezeichnung ist im Tessin und in Italien verbreitet. Es handelt sich jeweils fast ausschliesslich um Hanglagen, wo in vergangenen Tagen Weinstöcke gepflegt wurden. Roncos besondere Lage, erhöht über den Ufern des Lago Maggiore, bringt ein spezielles Klima, in dem sich mediterrane und exotische Pflanzen wohl fühlen. Die Auf- und Abwinde sorgen für eine stetige Luftzirkulation und, so sagt man, seien auch für das "besondere Licht" in Ronco verantwortlich. Der tiefste Punkt der Gemeinde liegt auf rund 200, der höchste auf 1'300 Metern über Meer, also 1'100 Meter Höhendifferenz auf einer Luftliniendistanz von gerade einmal 1,5 Kilometer. „Roncho de Schona“ wird 1264 erstmals erwähnt, der seinerzeitige Dorfkern soll in seinen Ausmassen dem heute bestehenden entsprochen haben. Im 15. Jahrhundert haben hier rund 500 Menschen gelebt. 1626 wurde Ronco zu einer eigenständigen Kirchgemeinde, 1641 auch politisch autonom. Davor gehörte es zu Ascona. Während mehreren Jahrhunderten lebte die Bevölkerung von Ronco vom Weinbau und der Kleinviehhaltung in kleinen Bauernhöfen und hoch oben, in den Ställen der Monti di Ronco. Dies war so bis vor dem Zweiten Weltkrieg. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts setzte, wie überall in den Landgemeinden der Alpensüdseite, die Auswanderung ein. Auf der Suche nach Arbeit verliessen Männer ihre Familien immer wieder für Monate oder Jahre, oft wanderten auch ganze Familien aus, ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hauptsächlich nach Übersee. 1795 schrieb Karl Viktor von Bonstetten in seinen "Briefen über die italienischen Ämter": "Über Ascona liegt höher als des Berges Neige, Ronco d’ascona von 430 Seelen." Mit der Industrialisierung verlor Ronco sein landwirtschaftlich geprägtes Gesicht und mit dem wirtschaftlichen Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Rebberg nach dem anderen überbaut – es gibt heute kaum mehr einen. Dafür ist „la nuova Germania“ entstanden, „das neue Deutschland“, wie es die Einheimischen nennen, in Gruppaldo, einem Ortsteil von Ronco, wo Ferienresidenz an Ferienresidenz steht. Mit der Entwicklung der Brissagoinseln und des Monte Verità kamen auch immer mehr „Fremde“ ins stille Dorf abseits des Verkehrs, Ronco wurde bald zum "Künstlerdorf". Spuren der Künstlerinnen und Künstler sind allgegenwärtig und auch die Kraft künstlerischen Schaffens. Der alte Dorfkern, die mediterrane Flora und die phantastischen Ausblicke über den Lago Maggiore sind sehenswert. Weitere Sehenswürdigkeiten: Roncos Wahrzeichen, die Kirche San Martino, gleich gegenüber die Casa Ciseri und wenig weiter die Kirche Madonna delle Grazie. Das Altarbild in der Kirche San Martino stammt von Antonio Ciseri, dem berühmtesten Sohn Roncos. Auch ein Spaziergang entlang der Hauptstrasse hinauf zum Friedhof lohnt sich, der Aussicht und der vielen bekannten Menschen, die dort begraben sind, wegen, unter anderem Ernst Fischer, Kurt Hoffmann, Gerhard Maasz, Erich Maria Remarque und seine Frau Paulette Goddard, Ursula La-Ruelle und Richard Seewald. In Fontana Martina, einem rustikalen Weiler, wirkte einst Fritz Jordi, bei ihm gingen ein und aus Margarethe Hardegger, Paul Klee, Gustav Regler, Else Lasker-Schüler, Ignazio Silone, und Heinrich Vogeler. Auch die Grafiker Max Bucherer, Herbert Leupin und der Maler und Objektkünstler Wilfrid Moser hatten in Ronco Ateiliers. Alice Braun, Lyrikerin und Malerin und Greti Egg, die Kinderbuchautorin, arbeiteten hier. Der "Verbano-Künstler-Kreis", Karl Gerber, Manfred Henninger, Erwin Schönmann und Jan Schutter, wohnte und arbeitete in Ronco, ebenso wie der Maler Fred Engelbert Knecht. Nachdem Ronco über lange Jahre berechtigt als Künstlerdorf galt, begannen seine politischen Vertreterinnen und Vertreter um 1992, ihr Dorf als "Bananenrepublik" zu positionieren. Ronco kann von Ascona aus auf drei verschiedenen Strassen erreicht werden: über die verkehrsreiche Kantonsstrasse entlang dem See, über die pittoreske Hangstrasse, die an der "Madonna della Fontana" vorbeiführt und via die Strasse über Arcegno. Nach Brissago führt, via Porto Ronco, ebenfalls die Seestrasse und die schmale Hangstrasse mit herrlichen Ausblicken. www.ronco-s-ascona.ch