Ruggero Leoncavallo
Hans Roos, Zeitungsmacher

1919-1993, geboren in Aarau, gestorben in Locarno

Roos kam als Pfadfinder zum ersten Mal ins Tessin, das war „Liebe auf den ersten Blick“. Anfangs der 50er Jahre liess er sich mit seiner Frau Bettina, genannt Bethli, auch ein Aargauerin, im Tessin nieder und gründete 1954 in Ascona das „Ferien-Journal“. Die erste Ausgabe erschien am 26. Juni 1954, hergestellt im Matritzenverfahren. Mit dieser Touristengazette, sie erschien von März bis Oktober monatlich, wollte Roos zwischen den Tessinern, den Asconeser Geschäften und den Touristen vermitteln. „Giovanni“, wie er in Ascona genannt wurde, war das Ferien-Journal in Personalunion: Er akquirierte Inserate, er schrieb, er druckte im Keller seines kleinen Hauses, und er besorgte mit seinem Fahrradanhänger auch die Verteilung seiner Gazette. Er galt in Ascona als Unikum. In seiner Kindheit hatte er beim Experimentieren mit einem "Chemie-Kasten" ein Auge verloren, es wurde ihm ein Glasauge verpasst. Dieses Glasauge  habe er hin und wieder, wenn er "einen über den Durst" getrunken hatte, nach Gesprächspartner geworfen, die nicht seiner Meinung waren. In seinem Ferien-Journal kamen Literatinnen und Literaten wie Doris Hasenfratz, Jo Mihaly, Aline Valangin, Jakob Flach und Peter Riesterer zu Wort. Auch Gedichte des Locarneser Poeten Piero Bianconi erschienen in deutscher Sprache, auch der „Abendzug“ von Angelo Nessi. Seine Nachfolgerin, Tina Stolz, schrieb zu Roos’ 70. Geburtstag: „Du bist zwar nicht reich geworden, denn was du hattest, hast du lieber mit anderen geteilt, den Künstlern zum Beispiel, die damals in Ascona noch arm waren. Aber Freundschaft hat es dir eingebracht. Vieles hat sich auch im Ferien-Journal niedergeschlagen. Einen Luxus allerdings hast du dir geleistet, deine Schallplattensammlung, mit der nicht so schnell eine andere konkurrenzieren kann. Früher kam man zu Giovanni Roos und hörte Musik. Heute haben die Zeiten sich geändert, man lebt hektischer, hat weniger Muse und manchmal, ich weiss, bist du traurig darüber.“ Roos Liebe zur klassischen Musik liest sich auch in seinen Texten, zum Beispiel in seinem Bericht über den Musiker Gerhard Maasz.
Aus der "Flüsterecke" der Nummer 75/5 des "Ferien-Journals" von Juli 1963: "Als ich kürzlich ins Café Verbano ging, frug mich Sandro Sasselli der Wirt, ob ich Mitglied des "Red-Socks" Club sei, mein fragender Blick wurde dahin beantwortet, ob ich beim "Roten-Socken-Club" wäre! Ich erwiderte darauf dies sei nicht der Fall, die roten Socken seien nur meine "Schlusslichter" beim radfahren."
Hier der Text von Peter P. Riesterer zum Abschied von Bethli und Giovanni als "Ferien-Journal-Macher":