Ruggero Leoncavallo
Prof. Dr. Walter Rüsch, Musiker und Musikwissenschafter

1906-1983, geboren in Rheineck, gestorben in Locarno

Professor und Doktor der Musikwissenschaft. Rüsch gründete 1947 den „Coro Palestrina Locarno“ um die geistliche Musik des 16. und 17. Jahrhunderts zu pflegen. Er leitete den Chor bis zu seinem Tod im Jahr 1983. Aus dem „Ferien-Journal“ Nr. 76/6, von August 1963, „Künstler im Tessin“: „Als wir Rüsch besuchten, erzählte er uns, wie es zur Gründung des „Coro Palestrina“ kam und was er mit ihm anstrebt: „Wenn etwas echt sein soll, muss es Wurzeln haben“, sagte Dr. Rüsch. Er wollte und will nicht einfach einen Gesangsverein mehr ins Leben rufen. Es geht im nicht darum, den Sängern eine angenehme Freizeitbeschäftigung zu verschaffen; sein Ziel besteht auch nicht darin, den Chor zu einem Instrument ausgefeilten Kunstgesangs auszubilden. Im Gesang des „Coro Palestrina“ soll eine Geisteshaltung Ausdruck finden, die mit der Haltung der Sänger im täglichen Leben übereinstimmt. () Dr. Rüsch will mit seinem Chor eine Mittellinie zwischen liturgischem und Konzert-Gesang einhalten. Er glaubt, dass die Voraussetzungen zu Coro Palestrina im Tessin ideal sind. Ursprünglichkeit, sagt er, gehört zur hier gewachsenen Kultur. () „Unser Chor zählt nur etwa dreissig Mitglieder. Aber wenn wir in den Kathedralen und Kirchen von Pavia, Parma, Bergamo, Piacenza, Milano usw. mit ihrer grossartigen Akustik singen, dann wird das auch den Sängern zum unvergesslichen Erlebnis. Dann legen sie alle Gefühle die den Menschen zu erheben vermögen, in ihre Stimme.“
Adrian Fröhlich aus Langendorf schrieb uns am 2. Juni 2014: „Gerade las ich aus Zufall Ihren Eintrag zu Dr. Walter Rüsch, der ein guter Freund meines Vaters war. Er liegt auf dem Friedhof von Contra, neben Sir John C. Eccles, dem Hirnforscher und Nobelpreisträger begraben. Geboren wurde er meines Wissens 1906, vermutlich in Rheineck. Er lebte Jahrzehnte lang in einem inzwischen abgerissenen Palazzetto mit Park an der Via San Gottardo, ungefähr neben der Abzweigung des Vicolo Frizzi, danach bis zu seinem Tod an der Via Cittadella in Locarno in der Casa die Canonici der Kirche Santa Maria Assunta, zu der er einen hausinternen direkten Zugang hatte, und wo er die Orgel spielte und Einzelunterricht an seine Chormitglieder gab.

Ich teile Ihnen das mehr oder weniger aus Sentimentalität mit, hatte mich Maestro Rüsch doch, als ich ein Junge war, immer stark beeindruckt. Er war überaus gastfreundlich und gebildet, ein Geistmensch, wie es sie heute nicht mehr gibt. Er war aufgrund seiner spärlichen Einkünfte aus heutiger Sicht als arm zu bezeichnen. Dank des Entgegenkommens der jeweiligen Hausbesitzer konnte er jedoch mit seiner Familie stets preisgünstig in Häusern leben, die seinem Geist entsprachen. Aus innerer Überzeugung ist er meines Wissens vom Protestantismus zum Katholizismus übergetreten, dessen Geist sein Schaffen ebenso gehörte wie der von ihm geliebten Musik. Er war auch der Verfasser eines kleinen Büchleins zu Melodien von Beethovens Pastoralsymphonie („Gottheit und Natur im Werke Ludwig van Beethovens“, 1973) und einer Schrift zum Komponisten  Ferdinand Huber (1932), wie überhaupt alles, was er machte, stets vorsichtig, intim und bescheiden wirkte, er war jeder zur Schau getragenen Grösse in Leben und Beruf abhold. – Adrian Fröhlich, adi.froehlich@bluewin.ch. “