Ruggero Leoncavallo
Xanti Schawinsky, Grafik-Designer und Maler

1904-1979, geboren in Basel, gestorben in Locarno

Eigentlich Alexander Schawinsky. Sohn der Regina, geborene Bielawska, und des polnisch-jüdischen Kaufmanns Benjamin Schawinsky. 1915 begann er mit Mal- und Musikunterricht in Basel. 1922-1923 Studium der Architektur und Grafik in Köln und Berlin. 1924 Beitritt zum Bauhaus, Zusammenarbeit mit Paul Klee und Wassily Kandinsky. 1927 Tätigkeit am Bauhaus Zürich, Schawinsky malte, entwarf Ballettstücke und Pantomimen und gestaltete Bühnenbilder. Zusammenarbeit mit Max Bill. Reisen und Einzelausstellungen in verschiedenen Ländern. 1929 Anstellung als Grafiker bei der Stadt Magdeburg. Er gab, von der Nazi-Presse als „Kultur-Bolschewist“ verfemt, seine Stelle auf und arbeitete als freier Künstler in Berlin. Schawinsky wurde mehrmals wegen Beihilfe zur Befreiung politischer Gefangener verhaftet. 1933 Flucht in die Schweiz, wo er in Zürich und Ascona arbeitete. Später liess er sich im ligurischen Rapallo nieder. Jeden Sommer malte er im „Haus der Künstler“ im Schloss „la Sarraz“ im Waadtländer Jura; Bekanntschaft mit Max Ernst. 1936 emigrierte er in die USA, wo er am „Black Mountain College“ in North Carolina unterrichtete. 1943-1946 Lehrtätigkeit am New York City College. Anschliessend Tätigkeit als freier Maler. 1963 Rückkehr nach Europa, er baute sich im italienischen Oggebbio am Lago Maggiore ein Atelier-Haus. www.schawinsky.com
Aus der Pressemitteilung der „ArteF Galerie für Kunstfotografie“ in Zürich, Mai 2007: „Xanti Schawinsky - Swiss Experimental Photography. ArteF Galerie für Kunstfotografie freut sich die Saison mit Fotografien von Xanti Schawinsky (1904-1979), einem der bedeutensten Schweizer Bauhauskünstlern einzuläuten. Rund 30 Vintage Schwarzweiss-Bilder aus mehreren Schaffensperioden, darunter die für Schawinsky typischen Bühnenstücke, ebenso wie revolutionäre Montagen und Fotogramme, vereinen sich zu einem faszinierenden Einblick in das Schaffen eines Künstlers, der zeitlebens den Geist des Bauhauses verkörperte, die Moderne in der Schweizer Kunst einläutete und nachfolgenden Generationen den Weg ebnete. – Wer war der Mann, dem der legendären Bauhaus-Gründer Walter Gropius soviel Sympathie entgegenbrachte? Gemeint ist Alexander, genannt Xanti, Schawinsky, der sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum prominentesten Schweizer Vertreter des Bauhauses entwickeln sollte. Als Schüler und später auch Assistent von Gropius verkörperte er die von jenem angestrebte künstlerische Interdisziplinarität und damit den Zeitgeist der Moderne wie kaum ein anderer: Er war gleichzeitig Choreograph, Schauspieler, Tänzer, Musiker, Maler und Grafiker – und nicht zuletzt einer der ersten Vertreter der experimentellen Fotografie. Als Avantgardist war dieses vergleichsweise junge Medium für Schawinsky das ideale Ausdrucksmittel einer neuen Sichtweise. Es reizte ihn, die visuelle Erfahrung in bis dahin unbekannte Sphären auszuweiten und die Grenzen der damaligen technischen Möglichkeiten auszuloten. So experimentierte er mit neuartigen Verfahren wie beispielsweise der Fotomontage und dem Fotogramm- der Ablichtung von Gegenständen direkt auf lichtempfindliches Papier ohne Zuhilfenahme einer Fotokamera. Auch unkonventionelle Perspektiven sowie überraschende Bildkompositionen durchziehen Schawinskys Werk. Und immer wieder spiegelt sich darin die enge Beziehung zu anderen gestalterischen Bereichen, allen voran dem Theater. In typischer „Bauhaus Manier“ wird dabei unter Einsatz aller Fähigkeiten und Mittel stets eine symphonische Wirkung des Endproduktes angestrebt, wobei die Fotografie zur Metapher des kreativen bildnerischen Vorganges wird.“ www.artef.com