Peter Schifferli
Peter Schifferli, Verleger

1921-1980, geboren und gestorben in Zürich

Schifferli wohnte mit seiner Familie in Ascona, im San Michele-Quartier, und pendelte von dort aus nach Zürich in seinen Arche-Verlag. Leo Kok hatte eine sehr enge Beziehung zur Familie Schifferle, er bezeichnete sich als der „Erzieher“ der drei Schifferle-Söhne während der Abwesenheit ihres Vaters. Schifferli pfegte im Tessin verschiedene Kontakte zu Schreibenden: Werner Bergengruen, Robert Faesi, Felix Möschlin oder Julius Schmidhauser. DIE ZEIT berichtete in einem „Nachruf“ über Peter Schifferle in der Ausgabe 05 vom 23. Januar 1981 folgendes: „Strafe über den Tod hinaus - Vor sieben Wochen ist, erst 59 Jahre alt, Peter Schifferli gestorben. Er war Gründer und Inhaber des Arche-Verlags, Zürich, und einer der bedeutendsten Verleger nach dem Zweiten Weltkrieg. Ihm verdanken die deutschsprachigen Leser die Bekanntschaft mit Ezra Pound, Gertrude Stein und Alfred Jarry, er hat die schönste und originellste Buchreihe geschaffen, die es gibt, die Reihe Horizont, den jahrzehntelang verschütteten Dadaismus wieder populär gemacht, der völlig zu Unrecht vergessene Schweizer Autor Friedrich Glauser ist in der Arche mit einer Gesamtausgabe vertreten, und obgleich vor zwanzig Jahren ein deutscher Verlag grosse Verluste mit einer Cendrars-Ausgabe gemacht hatte, scheute sich Schifferli nicht, eine umfangreiche Neuedition der Werke dieses grossen Schriftstellers zu wagen. Und ausserdem war er noch der Verleger Friedrich Dürrenmatts. In der bundesdeutschen Presse ist nicht ein einziger Nachruf auf Peter Schifferli erschienen. Das Fernsehen unterschlug die Meldung vom Tod des Verlegers vollends, der Frankfurter Rundschau war das Ereignis eine Kurzmeldung wert, aber in ZEIT, Spiegel und fast allen anderen Nachrichtenorganen wurde Schifferli nicht einmal erwähnt. Auch nicht im Börsenblatt des deutschen Buchhandels. Solch verschwörerische, bundesweite Konsequenz kann kein Zufall sein und ist auch keine. Genau so wenig wie der Umstand, dass es sich ein paar Tage zuvor keine Zeitung nehmen liess, das Ableben Viktoria-Luises in schicklicher Ausführlichkeit zu beklagen. Der Kaiser ist interessanter als die Avantgarde, die ihn bekämpfte. Schifferli war ein Verleger der alten Avantgarde. Pickelhaube oder Dadaismus? Unsere Presse entscheidet sich allemal für die Pickelhaube. Nicht immer absichtlich, nicht immer böswillig. Viktoria-Luise hat sich der Presse nie aufgedrängt, aber auch nie entzogen. Schifferli, so schien es, war die Presse schlicht gleichgültig. Aber er hatte noch andere Fehler. Er verlegte nur das, was ihm Spass machte, er kümmerte sich einen Dreck um Marktgesetze, ein Bestseller in seinem Programm hätte ihn wahrscheinlich eher irritiert als ermutigt, auf schöne Ausstattung seiner Bücher legte er grössten Wert, er war nie persönlich auf der Frankfurter Buchmesse, suchte nicht den Kontakt zu Kritikern, und schlimmer noch, ihm lag mehr an Büchern als an der Werbung für Bücher. Er war ein Aussenseiter, der am liebsten Literatur von Aussenseitern verlegte. So verdient man sich keinen Nachruf. Wichtige Bücher machen, anstatt im unwichtigen Kulturbetrieb mitzumachen, das wird bestraft, über den Tod hinaus. Durch arrogante Nichtachtung.“