Erwin Schönmann, Maler, Bildhauer und Mosaikkünstler

1906-1999, geboren in Thalwil, gestorben in Thunstetten

Schönmann malte während der 20er Jahre und um 1940 zusammen mit den Künstlern des „Verbano-Kreises“. Peter Riesterer schrieb: „ Rös Peter, Karl Gerber, Manfred Henninger aus der uralten unteren Mühle, ein Katzensprung von Köbi Flach entfernt, Erwin Schönmann und Jan Schutter bildeten den „Verbano-Künstler-Kreis“. Alles eigenwillige Köpfe. Eigenwillig auch in ihrer künstlerischen Aussage. Und doch ertrugen sie sich. Es war die Zeit, wo Henninger seine „Badenden“ malte, Schutter die feinfühligen Stilleben und beglückenden Landschaften, Gerber seine Mappen mit Motiven aus Roncos Dorfleben füllte. Die Verbano-Gruppe war kritisch. Scharf aber gerecht im Urteil. Unbestechlich. An sich arbeitend. Drunten, im Borgo von Ascona, bildeten sie nie das Tagesgespräch. Eine ganz andere Welt sorgte für Klatsch und Tratsch. Sie gingen ihrer Arbeit nach. Waren die Stillen vom Lande. Wollten sich nicht vom Lärm unserer Zeit feiern lassen.“

Ferien-Journal Nr. 224/2, von April 1982. Erwin Schönmann erzählt: „Wir lebten hinter Ascona am Rande der Zeit!“, von Marchese: " Er ist 75 Jahre alt, lebte in den Jahren 1827 und 1928 in Cavigliano; heute in Thalwil bei Zürich, Erwin Schönmann ist ein bekannter Landschaftsmaler und Portraitist. Im Frühling und Herbst malt er im Malcantone. In Ascona zeigte er 1979 Werke im Centro Cultruale. In Museen war er u.a. in Polen und Zürich vertreten. 1939-45 gehörte er mit Henninger, Schutter und Gerber (Ronco) zum Malerkreis „Pittori del Lago Maggiore“. „Ich habe nicht nur gezeichnet, gemalt, in Holz geschnitten. Ich machte einfach alles, um leben zu können. Das Leben war vor 55 Jahren im Pedemonte keine teure Angelegenheit. Man musste wohl arbeiten, aber die Ansprüche waren bescheiden. Die Einheimischen waren sehr freundlich und hilfsbereit. Am eindrücklichsten waren die Abende im Sommer und Herbst. Wir stiegen oft nach Feierabend auf eine Alp, trugen Wein, Brot und Würste im Rucksack. Minestra oder Polenta wurden zubereitet. Ein Bauer spielte auf der Handharmonika und wir sangen. Im Herbst lasen wir Kastanien auf und erlebten manche fröhliche Castagnata. Natürlich schauten wir auch den jungen Tessinerinnen tief in die Augen! Das waren Mädchen, die noch lachen konnten! Und wie sie sangen! Ansprüche, wie sie heute von jungen Menschen gestellt werden, kannte man noch nicht.
Nach Ascona sind wir natürlich auch gegangen. In den Strassen verkehrten selten Autos, die Piazza war noch nicht gepflastert, es grasten Kühe und Ziegen dort und die Fischer hatten zwischen den Platanen Netze aufgehängt. Wer etwas gelten wollte, setzte sich an der Via Borgo vor ein Café an eines der Tischchen auf dem Trottoir. Das taten auch viele, um zu sehen, wer in Ascona ankommt, oder um Bekannte zu treffen, denn der ganze Fussgängerverkehr spielte sich in der Via Borgo ab, wo sich auch die Post befand. Doch mehr kann man ja in Köbi Flachs Buch „Ascona“ lesen.
Viele Künstler kamen nach Ascona, weil Ascona kein Kurort wie etwa St. Moritz oder Weggis war. Ascona war ein Dorf mit preisgünstigen Unterkünften. Vieles war billiger als anderswo. Auch noch 1935, als Ascona als Ferienort bekannter wurde, bei Frau Louise Bärtschi in der Pension San Giovanni, konnten die „Besseren“ ab F. 7.- pro Tag Pension haben inkl. Rohkost, Traubenkur, Sonnenbad. Elisabeth, die Gattin des bekannten Malers und Freunds von Paul Klee, hatte eine Handweberei, sie und Frau Klee, die in Ascona Ferien machte, betrieben Astrologie und stellten Horoskope aus.
Nach dem Zweiten Weltkrieg hat Peter Riesterer (Ronco) viel für die Künstler am Lago Maggiore getan. Er und Trudi Neuburg haben in Zürich und Ascona alle bedeutenden Maler von und um Ascona ausgestellt, Lebende und Verstorbene, wie Schürch, Kohler, Werfekin, Jawlensky, Frick, Pauli, McCouch, Seewald, Henninger, Schutter, Gerber, Müller, Bachmann, Lenne, Soldenhoff, Osswald-Toppi, Epper, Nicholson. Auch ich war vertreten. Jahre später im Kulturfoyer der Migros Zürich, die unvergessliche Ausstellung „Kunst am Lago Maggiore“, eine Schau mit Werken aus 50 Jahren. Das alles half sicher mit, dass man über Ascona sprach. Aber es stand nicht die Absicht dahinter, touristische Propaganda zu machen. Es war ehrlich der Kunst und uns Künstlern zu liebe. So soll es ja auch sein.
Künstler denen Kunst ein echtes Anliegen ist, brauchen Ruhe und nicht Rummel. Im Malcantone habe ich in den letzten Jahren eine solche Wirkungssätte gefunden. Mit dem „Ferien-Journal“ und den alten Stichen und Fotos erleb ich das „alte Ascona“ von Nummer zu Nummer. Es war damals eine wunderschöne Zeit. Die Landschaft um Ascona herum ist auch heute noch erlebenswert! Die alten Zeiten können wir nicht mehr zurückholen. Jetzt ist Ascona ein Fremdenzentrum und das, was viele Touristen suchen. Für uns Künstler gibt es noch genug unberührte Landschaft im Tessin...“