Ruggero Leoncavallo
1933, Schürch sitzt seinem Malerfreund Fritz Pauli Modell
Johannes Robert Schürch, Zeichner, Maler und Grafiker

1895-1941, geboren in Aarau, gestorben in Ascona

Jugend in Genf und Zürich. Lehre als Grafiker. 1914 Aktivdienst. 1916 Besuch der "Ecole des Beaux-Arts Eugène Gilliards", Gehilfe Hodlers. Aufenthalte im Wallis und in Florenz. 1922 Rückzug in ein kleines Haus oberhalb von Locarno. 1924 Freundschaft mit Alfred Fankhauser. 1934 Umzug nach Ascona. Freundschaft mit Fritz Pauli, den Eppers, Willy Roelli und weiteren. Schürch litt an den Folgen eines Verkehrsunfalls von 1933. Er starb 1941 an Tuberkulose. Sein künstlerisches Thema waren Randexistenzen der Gesellschaft. Darum und aufgrund seines Lebenswegs wurde er als Aussenseiter bezeichnet.
Im "Ferien-Journal" Nr. 96/2 von Mai 1966 wird im "Gedenkblatt für Robert Schürch" ein Text von Kurt Sponagel zitiert (Auszug): "Johann Robert Schürch von Rohbach im Kanton Bern wurde am 18. November 1895 in Aarau geboren. Nach dem frühzeitigen Tode des Vaters kam die Mutter mit dem Knaben nach Zürich, wo er seine Schulzeit beendete. Bei Maler Leuenberger in Zollikon zeichnete er nach Gips und nach dem lebenden Modell, daneben für sich selbst wo und wann er konnte, auf der Strasse, in Kneipen und in Wartesälen. Dann kamen bis zu Beginn der Grenzbesetzung, die er als Soldat mitmachte, Jahre eines erbitterten Kampfes um die Existenz, in denen der jugendlich Aufgeschlossene jene sich tief eingrabenden Eindrücke von der Schattenseite des Lebens gesammelt hat, aus denen, wie auch aus dem Erlebnis eines kurzen Aufenthaltes in Paris, später der unaufhaltsame Strom innerer Gesichte immer wieder in ihm aufgestiegen ist. Darüber schrieb er mir selbst einmal: 'Meinen Sie, es wäre mir möglich, solche Zeichnungen, wie ich sie heute mache, einfach aus dem Ärmel zu schütteln, wenn nicht dahinter gelebtes Leben in der Realität stünde? Ich war lange Zeit Brotausträger in einer Bäckerei in Zürich, ich habe zwei Jahre lang Affichen gemalt und öffentlich aufgeklebt; ich habe Löwen und Tiger für Budenbesitzer und für den Zirkus Sidoli gemalt, ich lebte in seinen Zeiten sechs Monate lang und habe auch in einem Panoptikum gedient. Dann war ich am Güterbahnhof zum Abladen von Kisten angestellt und auch eine Zeitlang Portier. Ich habe hunderte von Kitschbildern gemalt, Ansichten von allen 'reizenden Punkten' der Schweiz, bevor ich eine Ahnung von Kunst hatte. Ich war auch eine Zeitlang angestellt in einer Tierhandlung und dann Rezitator in einem Café, zog dann durch alle Dörfer bis Stein am Rhein und machte die Heu- und Weinernten mit; kam dann wieder nach Zürich, um wieder Brot auszutragen; kurz und gut, ich habe nie die Realität gefürchtet."
Sein Wandgrab befindet sich auf dem Friedhof von Ascona.