Richard Seewald
Richard Seewald, Humanist, Dichter und Maler

1889-1976, geboren in Arnswalde, Deutschland, gestorben in München

Sohn eines deutschen Ingenieurs und einer Schweizer Mutter. Studierte in München Architektur, wandte sich aber bald als Autodidakt der Malerei zu. 1910 lernte er seine Ehefrau Uli kennen, erste Reise ins Tessin, nach Ascona. Seewald verdiente seinen Lebensunterhalt mit Karikaturen und Grafiken. Mitbegründer der Münchner "Neuen Sezession". Vom Militärdienst freigestellt reiste er nach Südfrankreich und ins Tessin, wo er sehr viel malte.  1915 wohnten die Seewalds während ihres Tessinaufenthalts in der "Mulino del Brumo". 1925 kaufte er sich an der Strasse von Porto Ronco hinauf nach Ronco s/Ascona ein "kleines Häuschen, nicht viel mehr als ein einziger Würfel" und baute es aus. 1929 konvertierte er zum katholischen Glauben. 1931 nahm er in Ronco s/Ascona festen Wohnsitz und erhielt dort 1939 die Ehrenbürgerschaft. Er engagierte sich bei Jakob Flachs Marionettentheater in Ascona, zusammen mit Mischa und Ignaz Epper, Fritz Pauli, Werner J. Müller, Leo Kok, Carlo Weidemeyer, Jakob Bührer und Richard Matzig. 1954 kehrte Seewald nach Deutschland zurück. Professur an der "Akademie der Bildenden Künste" in München, die er nach vier Jahren wegen Zerwürfnissen mit dem Präsidium der Akademie wieder abgab. Nach dem Tod seiner Frau verbrannte er 150 Bilder und Skizzen. Ende der Sechziger Jahre gestaltete er in München und Iserloh Kirchenfenster. Er gestaltete auch "Die dreizehn Monate", einen Gedichteband von Erich Kästner. Seewald wurde auf dem Friedhof von Ronco s/Ascona beerdigt. Eine Auswahl seiner Werke sind im "Museo Communale d'Arte Moderna" in Ascona zu sehen, Seewald hat sie der Gemeinde vermacht. Die "Richard-Seewald-Stiftung" stellt Künstlern die "Casa del Leone" in Ronco s/Ascona als Arbeits- und Wohnstätte zur Verfügung. www.richard-seewald.de
Aus dem „Ferien-Journal“ Nr. 106/4, vom 8. Juli 1967, Künstler im Tessin, Richard Seewald, Bürger von Ronco, von Erika Faul-Symmer: „Schon mehr als drei Jahrzehnte lebt der heute 78jährige Künstler im Tessin und er sagt: „Hier nur kann ich glücklich sein“ – und das Glück stand ihm auch zur Seite, als er vor 38 Jahren in der Südschweiz auf der Suche nach eigenem Grund und Boden war. Er beschreibt dies in seinem Buch über das Tessin sehr reizvoll: „Als Auswahl meiner Heimat gebe ich der Landschaft den Vorzug, die durch schiffetragendes Wasser bestimmt ist, ein dem Meer verwandtes, wenn es nicht das Meer sein kann. Darum suchte ich auf halber Höhe des Berges einen Flecken, von dem der Blick weit hinaus geht über den See, bis dahin, wo sein gewaltiges Becken sich auftut nach dem Süden, als ginge es dort wirklich zum Meer, und nur fern zwischen zwei näheren Vorgebirgen ein blauer, geschwungener Höhenzug es abschliesst, der an strahlenden Morgen mir die Küste des Peleponnes zurückruft.
Und Bäume suchte ich, in deren Schatten das Haus stehen sollte, geborgen unter breiten Blättern wie in einer grünen Höhle, und wenn möglich lebendiges Wasser daneben, einen Bach, der die Einsamkeit heiterer gestaltet. – Und das alles fand ich auf einem Spaziergang in der Nähe von Ronco. Nach einer Stunde gehörte der Fleck mir. Damals gab es noch wenig Fremde hier und die Spekulation hatte noch nicht die Preise des Landes herauf getrieben. Hier gründeten wir unser Haus: Mann, Frau und Pudel.“
Mit der Zeit wurden aus dem Heim drei Gebäude, die heute zu seinem Refugium gehören: das in modernem Stil gehaltene Wohnhaus, sein Atelier und das einstige Tessiner Haus, in dessen stillen Räumen sich der Schriftsteller Seewald zurückzieht, wenn er seine Bücher schreibt. Vielleicht war es das schweizerische Blut mütterlicherseits, das ihn mehr und mehr nach dem Süden zog, denn Richard Seewald wurde hoch im Norden geboren, in Arnawalde (Neumark) im Ostpreussischen, wo er seine Jugendjahre verbrachte. Nach dem Abitur kam er 1909 nach München, um Architektur zu studieren, wandte sich aber sehr bald als Autodidakt der Malerei zu.
Er stellte erstmals in den Jahren 1911 bis 1913 in Paris aus, 1913 auch in Berlin. Er wurde bald Mitglied der Münchener Neuen Sezession, der Berliner Freien Sezession, des deutschen Künstlerbundes bis zur Auflösung durch den Nationalsozialismus. Von 1924 bis 1931 war er Professor an den Kölner Werkschulen, von 1954 bis 1958 Professor an der Münchner Akademie der bildenden Künste, deren Ehrenmitglied er ebenfalls ist. Der Maler Seewald trennte sich früh vom eigentlichen Expressionismus, um wieder nach dem „Raum“ und dem „Gegenstand“ als Elemente der abendländischen Malerei zu suchen.
Im Jahre 1961 trat an Richard Seewald, den Unermüdlichen, eine neue grosse Aufgabe heran, in einem Alter, wo für den Menschen der geruhsame Lebensabend beginnen sollte. Jedoch war diese Aufgabe die Erfüllung eines Jugendwunsches, den der Künstler während seiner damaligen Münchner Jahre träumte – die Bemalung der Hofgarten-Arkaden. Der Wunsch nach neuen Bildern hatte sich nach dem Krieg mehr und mehr verstärkt, das Problem war nur, wem sollte man den Auftrag erteilen? Unmöglich einem Maler zu sagen: Fahre nach Griechenland und male fünfzehn Bilder für diese Wand. Es gehörte immerhin ein echter Kenner Griechenlands dazu, dessen „Idee“ der Form wie dem Inhalt nach das Griechische, das Klassische ist.
Der erste, der Richard Seewald den Anstoss zu dieser Aufgabe gab, war der bekannte Zürcher Kunsthistoriker Peter Meyer, der ihm schrieb, jetzt wäre auch für ihn der Augenblick gekommen, die Nachfolge Rottmanns unter den Hofgarten-Arkaden anzutreten. Seewald ist gewissermassen der Wiederentdecker der griechischen Landschaft – nach Rottmann – geworden, als er 1934 zum ersten Mal ins Land der Hellenen fuhr. Damals interessierte sich kein Mensch für dieses wundervolle land der Antike. Insgesamt bereiste er es sechsmal. Hunderte von Zeichnungen, Aquarellen und Bilder waren das Ergebnis, und seine drei Griechenbücher: „Zu den Grenzen des Abendlandes“, „Das griechische Inselbuch“, „Im Anfang war Griechenland“, wurden rasch bekannt. Ebenfalls aus seiner Feder: „Giotto, eine Apologie des Klassischen“ und „Über Malerei und das Schöne“. Seine Lebenserinnerungen unter dem Titel „Der Mann von gegenüber“, dann gesammelte Aufsätze, wie immer verbunden mit Zeichnungen, die er „Zufälle – Einfälle“ nannte. Vor einem Jahr wurde am Mittelmeer ein Kulturfilm mit gleichem Titel wie das Buch „Aufs Wasser geschrieben“ gedreht. Hauptstar – Richard Seewald beim Zeichnen von Schiffen.
Ja, und zu allerletzt antwortete uns der unermüdlichen Schaffende: „Sie fragten, was ich jetzt mache? Ich vergass ihnen zu sagen, dass ich seit zwei Jahren ganz mit einer für mich neuen Technik beschäftig bin, einem ausnehmend interessanten Kunsthandwerk, dem mehrfarbigen Linolschnitt, der mich ausserordentlich befriedigt und in dem ich meine ganze Welt noch einmal bunt aufmarschieren lasse: die Schiffe, Griechenland, Tiere....“