Ruggero Leoncavallo
Robert Sidomak, Filmregisseur

1900-1973, geboren in Dresden, gestorben in Locarno

Sidomak war einer der wichtigsten Vertreter des expressionistischen Kinos in Deutschland. Von 1933-1939 lebte er in Paris, von 1939-1951 in den USA. Während der Zeit seines Exils in Hollywood drehte er einige Klassiker des Film Noir. In  "The Gangsters" debutierten Eva Gardner und Burt Lancaster. Ab 1955 war er in Ascona Zuhause, wo er sich uner andrem mit Rolf Gérard anfreundete. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof von Ascona.
Aus dem „Ferien-Journal“ Nr. 151/1, vom 7. April 1973: Zum Gedenken an Robert Siodmak: Im Alter von 72 Jahren ist in einem Krankenhaus in der Nähe von Locarno der bekannte Filmregisseur Robert Siodmak gestorben. Siodmak, einer der grossen alten Männer der internationalen Filmszene, der in Deutschland, Frankreich und Hollywood eine riesige Zahl von Filmen gedreht hat, lebte die letzten 18 Jahre seines Lebens in Ascona. Der am 8. August 1900 in Selby County bei Memphis (Tennessee) in den USA geborene Sohn polnischer Einwanderer kam bereits als Kind nach Deutschland, wo sein Vater ein Importgeschäft betrieb. Nach dem Abitur studierte er in Marburg Germanistik. Als Schüler Erich Pontos bereitete er sich auf eine Bühnenlaufbahn vor, hatte dann aber Zweifel an seinem Talent und ging zunächst ins Bankfach. Später arbeitete er als Verleger, Verfasser von Untertiteln für Stummfilme, als Journalist, Kameramann, Cutter und schliesslich als Regisseur. Eine erste Probe seines Könnens als Regisseur gab er (Zusammen mit Fred Zinnemann und Billy Wilder) mit dem Film „Menschen am Sonntag“ (1929), der ihm einen Namen in der Fachwelt einbrachte. 1930 drehte er mit Brigitte Horney „Abschied“ 1931, „Voruntersuchung“ mit Albert Bassermann und im selben Jahr den „Mann, der seinen Mörder sucht“ mit Heinz Rühmann. Weitere deutsche Filme in den frühen dreissiger Jahren waren „Sturm der Leidenschaft“ mit Emil Jannings, „Quick“ mit Hans Albers (beide 1932) und der am Tag des Reichtagsbrandes uraufgeführte und später von Goebbels verbotene Streifen „Brennendes Geheimnis“. Siodmak ging dann nach Frankreich, wo er schon vorher „Le sexe faible“ und Tumultes“ (beide 1932) gedreht hatte. 1935 drehte er „La vie parisienne“, „La crise ést finie“ mit Danielle Darrieux und „Aufruhr“ mit Charles Boyer. Bei Kriegsausbruch wandte sich Siodmak nach Hollywood, wo er bis 1952 rund 25 Filme drehte, unter anderem den „Grossen Sünder“ mit Gregory Peck, „Unter Mordverdacht“ mit Charles Laughton, „Die Wendeltreppe“ mit Dorothy McCuire. Durch seine Filme wurden unter anderen Ava Gardner, Tony Curtis und Burt Lancaster bekannt. In den fünfziger Jahren kehrte er nach Euorpa zurück, drehte zunächst in Frankreich mit Gina Lollobridgida „Le grand jeux“ und 1955 erstmals wieder in Deutschland „Die Ratten“. Sein letzter Film entstand 1969. Erst vor kurzem hat das Zürcher Filmpodium diesen Altmeister des Aktionsfilms mit der Wiederaufführung von „The Killers“ (1946 mit Burt Lancaster, nach der Novelle von Ernest Hemingway) geehrt. Siodmak, der seinen Besuch angekündigt hatte, musste kurzfristig absagen, da seine Frau schwer erkrankte. Sie ist sieben Wochen vor ihm gestorben."