Ruggero Leoncavallo
Sven Stolpe, Historiker und Schriftsteller

1905-1996, geboren und gestorben in Stockholm

Stolpe verbrachte die Jahre 1927-1928 im Lungensanatorium in Agra. Sein Roman „Im Wartezimmer des Todes“, den er 1930 herausbrachte, erzählt von diesem Aufenthalt. Er schrieb mehrere bekannte Romane, die aus dem Schwedischen in mehrere Sprachen übersetzt wurden, zum Beispiel „Königin Christine von Schweden“, 1960. „Die Zeit“ schrieb am 22.12.1955: „Sven Stolpe — ein ungewöhnlicher schwedischer Dichter, von Walter Abendroih: Die grosse Konversionsbewegung unter der schöpferischen Intelligenz, die einmal in Frankreich ihren Anfang nahm  und die, viel später, nach dem zweiten Weltkrieg auch in Deutschland spürbar wurde, hat nun einen bemerkenswerten literarischen Vertreter in Schweden gefunden: den ausgezeichneten Historiker und Romancier Sven Stolpe. Nicht die blosse Tatsache — die ja schliesslich als Einzelfall nicht so gewichtig wäre —, aber die Vehemenz, mit der dieser junge Skandinavier sein Bekenntnis ablegt, muss erstaunen in einem Lande, in dem noch im Jahre 1859 sechs Frauen des Landes verwiesen wurden, weil sie katholisch geworden waren, wo erst das „Dissenterlag" (Gesetz für Andersgläubige) von 1873 den Bürgern die Freiheit gab, aus der lutherischen Staatskirche zu einer anderen christlichen Konfession überzutreten und wo bis 1952 katholische Klöster verboten waren. Wie muss es hier schon gewirkt haben, dass der grösste Dichter des Landes, August Strindherg, mehr als einmal in seinem Leben mit dem Konversionsgedanken spielte und überhaupt oft, in entscheidenden Zusammenhängen, einer gewissen katholisierenden Mystik zuneigte, die auch sein Sterben begleitete. Liest man nun aber einen Roman wie Sven Stolpe: „Frau Birgitta lächelt", so ist hier keine Spur mehr von jenem Motiv, das noch bei Strindberg wirksam war — nämlich einer Flucht aus den Fesseln und Fallstricken eines ausweglosen materialistischen Zeitgeistes oder gar dem Motiv abgründiger menschlicher Verlorenheit, die sozusagen „alles erklärt"; sondern man steht vor einer zwar leidenschaftlich verfochtenen, aber vollkommen selbstsicher in sich beruhenden religiösen, sogar theologisch durchdachten Überzeugung."