Italo Valenti
Italo Valenti, Kunstmaler

1912-1995, geboren in Mailand, gestorben in Ascona

Wuchs in den Kriegsjahren bei der Mutter, später bei den Grosseltern auf. Er verliess 1926 die Schule in Vicenza und arbeitete in einer Keramikwerkstatt. Kunstgewerbeschule in Vicenza. 1932 erste Ausstellung seiner Gemälde. Weiterbildung in Venedig und Mailand. Ab 1939 Lehrtätigkeit an der Kunstakademie Brera in Mailand. Es folgten Wirren mit dem faschistischen Italien – Valentini war erklärter Antifaschist. Ausstellungen und Lehrtätigkeit. 1950 leitete er einen Sommerkurs in der Kunstgalerie Kasper-Ansermet in Ascona und lernte dort seine spätere Frau Anne de Montet kennen. 1952 zog er nach Muralto. Pflegte freundschaftliche Kontakte mit Rolf Gérard, Remo Rossi mit Jean Arp, Julius Bissier und Ben Nicholson. Ab 1953 Ausstellungen in Bellinzona, Basel, Zürich und Ascona. 1958 dritter Auftritt an der Biennale in Venedig. Es folgen Einzel- und Gruppenausstellungen in ganz Europe und den USA. 1967 wandte er sich dem Kunstdruck zu. Zusammenarbeit mit François Lafranca in dessen Kunstdruckerei in Locarno. Nach der Scheidung von seiner ersten Frau heiratet er 1967 Anne de Montet. 1981 erhält Valenti die schweizerische Staatsangehörigkeit. Er starb in Ascona, wo er seit 1972 wohnte, und wurde dort auch beerdigt. www.italovalenti.ch.
Aus dem „Ferien-Journal“ von Oktober 1995, Tina Stolz: Abschied von Italo Valenti. In seiner Malerei hat er Mythen und Legenden der Menschheit umgesetzt, den Mond in den unendlichen Variationen seiner Deklination aufs Papier gebannt, das Chaos geordnet, die Materie erforscht und immer wieder die Magierinnen heraufbeschworen, die sein ganzes Werk in dauernd sich verändernden Form durchlaufen. Sie sind die Vermittlerinnen zwischen dem Dies- und Jenseits, zwischen Realität und Traum. Sie mögen ihm beigestanden bei seiner letzten Reise und ihn sicher über den Styx gebracht haben. Oder war es Charon, dem er ebenfalls seine Aufmerksamkeit widmete? Ihm waren weder die Ufer noch der Strom dazwischen fremd, und er besass die Fähigkeit, die Dinge von einer Welt in die andere zu transponieren und schöpfte aus Gegensätzen: Licht und Schatten gehören zum Zauber seiner Bilder. So gelang es ihm auch, seine Kindheitserinnerungen hinüberzuretten und umzusetzen. Er liess Drachen steigen, Papierschiffchen über das Blatt schaukeln, setzte Lokomotiven in rhythmischer Anordnung aufs Papier. Schalk und Melancholie geistern durch seine Bilder und sein beweglicher Geist erlaubte ihm, sowohl das Kleine und Unscheinbare, als auch das Unfassbare und Mystische mit gleicher Intensität anzugehen. Sein Interesse an der fernöstlichen Philosophie schloss das sinnliche Empfinden für Formen und Farben nicht aus. Er verwandelte es in Poesie und in Rhythmus. – 1912 in Mailand geboren, zeigte er seine Arbeiten bereits mit zwanzig zum ersten al. Zu Beginn der Kriegsjahre schloss er sich der Bewegung „Corrente“ an, die sich dem Faschismus entgegenstellte und die Erneuerung von Kunst und Kultur anstrebte. – 1950 lernte er seine zukünftige Frau, Anne de Montet, kennen und zog 1952 definitiv ins Tessin, zuerst nach Locarno, dann nach Ascona. Er liess Künstlerfreunde in Mailand zurück und machte sich hier neue, nicht weniger prägnante, die in den Ateliers von Remo Rossi arbeiteten: Richter, Arp, Nicholson, Bill, Glarner und Bissier. Mit Bissier und Nicholson wird er oft in einem Atemzug genannt, und er schloss besonders mit letzterem tiefe Freundschaft. 1959 entdeckte er, spielerisch, die Collage. Sie sollte zu seiner wichtigsten Ausdrucksform werden, und damit tat er h den entscheidenden Schritt zur Abstraktion. Allerdings haftet seinen figurativen Werken immer auch etwas Abstraktes an und seinen abstrakten etwas Figuratives. Mit der Collage kam auch der Farbe in seinen, von Harmonie und Bewegung  geprägten Bildern neue Bedeutung zu. Italo Valenti gilt als einer der wichtigsten Exponenten dieser Kunstform in unserer Zeit. – Ascona, wir alle, die Kunstwelt, verabschieden mit Italo Valenti nicht nur einen Künstler besonderen Formats, sondern auch einen überaus kultivierten Menschen,  der eine Bereicherung für alle war, die mit ihm in Kontakt gekommen sind.