Ruggero Leoncavallo
Ruggero Leoncavallo
Mary Wigman, Tänzerin und Choreografin

1886-1973, geboren in Hannover, gestorben in Berlin

Eigentlich Marie Wiegmann. Sie studierte 1910-1911 bei Emile Jacques Dalcroze Audruckstanz, danach, 1913-1918, war sie auf dem Monte Verità zusammen mit Suzanne Perrottet, Labans Lebenspartnerin, Assistentin in Rudolf von Labans "Sommerschule für Bewegungskunst", wo sie unter anderen Charlotte Bara, Sonja Salati, Sophie Täuber und Katja Wulff traf. Friedrich Glauser schrieb in seinem „Dada, Ascona und andere Erinnerungen“: „Das Abendlicht fliesst durch die offene Tür in den holzgetäfelten Raum. In der Ecke steht ein alter Flügel. Mary Wigman tanzt. Das kurze grüne Kleid wandelt sich an ihren Gliedern. Die starren schwarzen Gewänder einer Nonne scheinen sie zu umgeben. Sie fleht zum Erlöser, will ihn herab beten in ihre Arme, die Sehnsucht auseinander zerrt; dann senken sie sich beschwörend gegen ihren einsamen Leib. Die stumme Klage der Hände ist machtlos, den himmlischschen Geliebten herab zu zwingen. Das nutzlose Gebet verklingt, schwer drücken die Bogen des Klosters auf die bleiche Stirn. Das Klavier schweigt. Das kleine Fräulein, das gepielt hat, nimmt die Hornbrille ab. Wir lehnen an die Wand und schweigen. In einen Rohrstuhl gezwängt, atmet Graf von der Sch. eifrig; sein Babygesicht ist rot und aufgequollen. Plötzlich entschliesst er sich: „Ein Mordsweib“, trompetet er in den stillen Saal. Die rötliche Dämmerung wird langsam grau.“ Nachdem die Zürcher Fremdenpolizei der Wigman die definitive Aufenthaltsgenehmigung verweigert hatte, kehrte sie nach Deutschland zurück und war dort (Dresden, Leipzig und Berlin) ab 1920 massgeblich für die Verbreitung des Ausdruckstanzes in Europa beteiligt. Ihre Schule mit den weltweiten Ablegern wurde von den Nazis geschlossen. 1948 eröffnete sie wieder in Berlin - ihre Schule wurde für die folgenden 20 Jahre das Zentrum des modernen Tanzes für Deutschland, England und die USA.