Ruggero Leoncavallo
Victoria Wolff, Journalistin und Schriftstellerin

1904-1992, geboren in Heilbronn, gestorben in Los Angeles

Tochter des jüdischen Lederwarenfabrikanten Jakob Victor. Jugend in Heilbronn. Erhielt Nachhilfestunden von Albert Einstein, mit dem sie verwandt war. Sie war das einzige Mädchen, das in ihrer Klasse das Abitur schaffte. 1932 erschien ihr erster Roman „Eine Frau wie du und ich“. „Angewidert von den politischen und gesellschaftlichen Veränderungen, welche die Machtübernahme der Nationalsozialisten begleiteten, hatte Victoria Wolff ihre Geburts- und Heimatstadt Heilbronn am 1. April 1933 verlassen und war gemeinsam mit ihren Kindern, der sechsjährigen Ursula und dem vierjährigen Frank, nach Ascona in die Schweiz emigriert“, schrieb Anke Heimberg im Nachwort zu Wolffs Wiederauflage von  „Die Welt ist blau, ein Sommerroman aus Ascona“. Hier geht's zu einer kurzen Leseprobe aus diesem Roman. Wolff kannte Ascona von einem Kuraufenthalt auf dem Monte Verità Ende der 20er Jahre. 1931 schrieb sie in der Heilbronner „Neckar-Zeitung“: Aber Ascona ist und bleibt Insel in Europa, Insel der Glücklichen, Insel der Geistigen und der Weltlichen. Über allem lacht ohne Ermüdung eine milde Sonne, in der sich Palmen und Kastanien, Menschen und Gedanken, Wellen und Intrigen sachte bewegen. Die Landschaft ist vielgestaltig, gebirgig, scharf gezackt und buntfarbig. Die Berge kommen ganz dicht ans Wasser, man sieht in die Zerklüftungen des Centovalli, man folgt den Überschneidungen der Gipfel, die aus Italien kommen. Scharf stehen Palmfächer, Birkenzartheit, Kastanienbuntheit gegen den klarblauen Himmel. Jeder Gegenstand wird hier zur Plastik, jeder Winkel zum Kunstwerk. Jeder der hier wohnt, erzählt: Ich kam zufällig hierher, dann einige Sommer lang, dann kaufte ich mir ein Grundstück und kam nicht mehr los. Emil Ludwig wohnt dort, Wilhelm Schmidtbonn, Professor Seewald; nun hat sich Remarque dort angekauft, Stinnes hat ein neues Haus, der Schriftsteller von der Schulenburg ein altes; der frühere Botschafter von Maltzahn vermietet Zimmer in seiner Casa la Terazza. Auf der Insel von Ronco haust märchenhaft-prunkvoll Herr Emden, der einen Kranz von Frauen und Legenden um sich hat. Das sind nur ein paar Namen, herausgegriffen aus dem grossen Kreis anregender Menschen, die hier Insel spielen.“ Victoria Wolff freundete sich in der Emigration mit Leonhard Frank, Erich Maria Remarque, Ignazio Silone und Tilla Durieux an. Von Remarque und seiner "Lancia" war die Wolff offensichtlich sehr angetan: "Er hatte das schönste Auto, das man sich vorstellen kann. Der Lancia. Hellgrau, mit grauer Innenverkleidung. Mit aufklappbarem Verdeck. Unbeschreiblich elegant. Und er fuhr wie ein Weltmeister." (Julie Gilbert, Erich Maria Remarque und Paulette Goddard. List Verlag München 1997). Nachdem ihre Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz auslief, floh sie nach Nizza, wo sie als Spionin verdächtigt wurde. 1941 konnte Victoria Wolff mit Hilfe von Freunden und Verwandten in die USA flüchten. „Das sture und hartherzige Verhalten der Schweizer Behörden vermochte ihre Erinnerung an die von ihr als überaus reich und beglückend erlebte „himmelblaue Zeit“ im Tessin nicht zu trüben. „Ascona ist mein Traum“ schrieb sie dem Freund Ignazio Silone aus den USA.“