Ruggero Leoncavallo
Karl Wolfskehl, Schriftsteller und Übersetzer

1869-1948, geboren in Darmstadt, gestorben in Auckland, Neuseeland

Sohn einer jüdischen Patrizierfamilie, deren Wurzeln bis zu Karl dem Grossen zurückreichen. Der Vater war Rechtsanwalt, Bankier und Landtagsabgeordneter. Studium der Altgermanistik, Religionsgeschichte und Archäologie. 1898 Heirat mit der Holländerin Hanna de Haan, zwei Töchter. Wolfskehl pflegte eine leidenschaftliche Beziehung zu Franziska zu Reventlow. Er gehörte dem Münchner Kreis um Stefan George an, den er als "Meister" ansprach. Wolfskehl hielt sich immer wieder in den Künstlerkreisen von Ascona auf. Kontakte zu Erich Mühsam und Johannes Nohl. 1933 Emigration in die Schweiz, dann nach Italien und 1938, zusammen mit seiner neuen Lebenspartnerin Margot Ruben, nach Neuseeland, wo er bis zu seinem Tod blieb. Er nahm am Nikolaustag 1933 am Begräbnis von Stefan George in Minusio teil. Obwohl er in seinem Exil  unter dem Verlust von Heimat, Familie und Freunden litt, erlebte er dort eine weitere schöpferische Phase. Wolfskehls Leben im "Exil in der Schweiz und Italien (1933-1938) Unbehaust - Basel - Tessin - Rom - Meilen" beschreibt Friedrich Voit in seinem Buch "Karl Wolfskehl".
"Lobgesang" von Karl Wolfskehl, 1932:

Büchern bin ich zugeschworen,
Bücher bilden meine Welt.
Bin an Bücher ganz verloren,
Bin von Büchern rings umstellt.

Zarter noch als Mädchenwangen
Streichl' ich ein geliebtes Buch,
Atme bebend vor Verlangen
Echten Pergamentgeruch.

Inkunabeln, Erstausgaben,
Sonder-, Luxus-, Einzeldruck:
Alles, alles möcht ich haben –
Nicht zum Lesen, bloss zum Guck!

Bücher sprechen ungelesen –
Seit ich gut mit Büchern stand,
Weiss ich ihr geheimstes Wesen:
Welch ein Band knüpft mancher Bank!

Bücher, Bücher, Bücher, Bücher
Meines Lebens Brot und Wein!
Hüllt einst nicht in Leichentücher _
Schlagt mich in ban Geldern ein!