Ferdinand von Wrangell
Ferdinand von Wrangell
Ferdinand von Wrangell, Baron, Marineoffizier, Pädagoge und Schriftsteller

1844-1919, geboren in St. Petersburg, gestorben in Ascona,

Sein Vater, auch Ferdinand von Wrangell, 1797-1870, war ein deutschbaltischer Admiral und Minister der kaiserlich-russischen Marine, Mitglied des Reichsrates und als Forscher und Geograf Mitbegründer der Russischen Geografischen Gesellschaft. 1855 wurde er Ehrenmitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften.  Die Mutter war Elisabeth, geborene Baronin von Rossillon. Wrangell absolvierte in St. Petersburg das Seekadettenkorps und studierte anschliessend Physik und Mathematik. Er heiratete 1870 Adelina Montague aus Brüssel. Nach mehreren Seereisen wurde er 1872 Kommandant des Kanonenbootes „Priboj“ anschliessend war er als Expeditionsleiter auf verschiedenen Meeren unterwegs. Nach der Rückkehr Tätigkeit als Erzieher des Herzogs Karl Michael von Mecklenburg-Strelitz, 1863-1934, in Oranienbaum bei St. Petersburg. Als Pädagoge leitete er von 1892-1896 als Direktor das Kaiserliche Alexander-Lyzeum in St. Petersburg und wurde anschliessend Professor der Ozeanologie und Metrologie an der Marineakademie von St. Petersburg. Quelle: „Baltisches Biographisches Lexikon digital, www.bbl-digital.de“.
Aufgrund einer Krankheit, mutmasslich einer Lungenkrankheit, hielt er sich ab 1905 in deutschen Kuranstalten auf, mit Lichthäusern und Sonnenbaden. Seinen Lebensabend verbrachte er als Schriftsteller in Ascona, 1907 zog er an den Lago Maggiore. Unter „Freie Verwaltung des Nachlasses von Rudolf Steiner, www.fvn-rs.net“ ist zu lesen: „Von 1907 an lebte er in Ascona/Schweiz. Er war auch ein bekannter Pazifist und gehörte als solcher zu denen, die Rudolf Steiners ‚Aufruf an das Deutsche Volk und an die Kulturwelt’ (1919) unterzeichnete. Schrieb u.a. die Broschüre ‚Wissenschaft und Thosophie’, die Rudolf Steiner in einigen Vorträgen im Herbst 1915 einer eingehenden Besprechung unterzogen hat.“
Aus der Familiengeschichte des Neffen von Ferdinand Wrangell, Joachim Storhas aus Freising-Weihenstephan: „Mein Onkel Ferdinand war sehr an Politik interessiert, unterstützte gedanklich gesellschaftliche Reformen und wehrte sich gegen religiöse Benachteiligungen. 1906, so formulierte er selbst, traf er eine weitreichende Entscheidung: Er verkaufte seine schöne Villa in Russland und zog  nach Ascona. Hier kaufte er ein Grundstück. Er wurde schriftstellerisch tätig und führte weitreichende Korrespondenzen, so auch mit Prinz Alexander von Hohenlohe. 1914 erschien im Orell-Füssli-Verlag sein „Warum kämpfen sie?“. 1915 traf er sich in Bern mit Henry Golay und hielt beim „Internationalen Kongress über Friedensverträge“ einen Vortrag.  Man drohte ihm, seine russische Pension zu streichen, sollte er sich weiter in der Form öffentlich äussern. Heimlich druckte er auf eigene Kosten weitere Schriften, leitete sie unter der Hand an den amerikanischen Präsidenten Wilson und an den Papst weiter. Seiner Überzeugung nach sollte eine internationale Friedensorganisation noch während des Krieges gegründet werden.  Kurz gesagt: Er wandelt sich vom Soldat zum Pazifist. Am 3. Dezember 1919 starb er mit 75 Jahren in Ascona im eigenen Haus und wurde hier auf dem Friedhof begraben. Er hinterliess seine Frau Adeline, Kinder hatten sie keine. Sie war eine geborene Montague aus Brüssel, Tochter eines Engländers und einer deutschen Sprachlehrerin, aufgewachsen in Bad Kreuznach. Hier haben sich auch beide kennengelernt, vermutlich bei der Landschaftsmalerei. Das Bruderpaar Cauer – Maler und Bildhauer in Rom – waren 1870 ihre Trauzeugen. 1925 besuchte eine Bekannte die Witwe in Ascona, „auf dem Anthroposphenberg hoch über dem Lago Maggiore“. Der Beschreibung nach bewegte sie sich barfuss in wallenden Gewändern, lebte streng vegetarisch und ihr Haus war mit Farn ausgestreut. 1927 verkaufte sie das Anwesen, behielt sich aber das Recht, dort bis zum Lebensende zu wohnen, es wurde ihr eine Leibrente ausbezahlt. 1929 stand in einem Adressverzeichnis unter ihrem Namen: „Ascona/ Schweiz, Casa Signor in Croce“. Am 31.Dezember 1934 starb sie in Ascona, ihre Asche wurde dem Lago Maggiore übergeben.

Auf dem bekannten Bild von April 1907 sind von links nach rechts zu sehen: Arnold Ehret, Henri Oedenkoven, Ida Hofmann, unbekannt, Hermann Hesse, Ferdinand von Wrangell, Friederike de Beauclair, unbekannt, Alexander de Beauclair, unbekannt. Quelle: Du844, März 2014, Monte Verità, Utopien und Dämonen.