katja wulff
Ruggero Leoncavallo
Katja Wulff, Tänzerin

1890-1992, geboren in Hamburg, gestorben in Basel

Eigentlich Käthe Wulff. Sie wuchs in einer bürgerlichen und künstlerisch interessierten Familie auf, ihr Vater war Prokurist. Ausbildung zur Zeichen- und Turnlehrerin. Tätigkeit an verschiedenen Hamburger Privatschulen als Lehrerin. Sie war im Sommer 1914 Schülerin bei Rudolf von Laban auf dem Monte Verità. Aus einem ihrer Briefe an die Eltern aus dieser Zeit: "Wir sind nun gerade eine Woche in Askona. Heute sind wir umgezogen. Nun werdet ihr bass erstaunt sein. ... Warum wir auszogen? Weil wir nach und nach eines schmählichen Hungertods gestorben wären. Auf Monte Verità lebt eine Gesellschaft fanatischer Vegetarier." Nach schriftlicher Anfrage der Wigman "Ich freute mich sehr, mit Ihnen zusammen arbeiten zu können, und bitte Sie, dieses Anerbieten als ein Zeichen meiner persönlichen Überzeugung an Ihre Begabung zu betrachten", verliess Wulff ihr bürgerliches Dasein und zog 1916 nach Zürich, wo sie für drei Jahr bei Laban und der Wigman Tanzpädagogikschülerin war. In dieser Zeit Kontakte zu den Dadaisten um Hans Arp und Sophie Täuber, Freundschaft mit Rudolf Jakob Humm. 1918 Gründung der "Schule für Eurythmie" in Zürich, zusammen mit Suzanne Perrottet. Nach kurzer Zeit verliess Wulff Zürich und war drei Jahre lang an der Amalfi-Küste und auf Capri als Tanzpädagogin tätig. 1923 Gründung ihrer eigenen erfolgreichen Tanzschule in Basel "Tanzgruppe Wulff".  An der Augustinergasse 3 auf dem Basler Münsterhügel erinnert heute eine Gedenktafel an sie: "Hier wohnte und unterrichtete Katja Wulff, Tänzerin und Tanzpädagogin". Kontakte zum Dirigenten Paul Sacher, zur antifaschistischen "Gruppe 33", zu Max Bill und der ganzen Kunst- und Kulturszene in der Nordwestschweiz und darüber hinaus. Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 Heirat mit dem Basler Tänzer, Schauspieler und Regisseur Charles Ferdinand Vaucher – Scheidung 1947. Katja Wulff starb mit 102 Jahren im Basler Felix Platter Spital, wo sie, ans Bett gefesselt, ihre letzten Lebensjahre verbracht hatte. Die Tänzerin Mary Delpy: "Katja war immer sehr dezent gekleidet und hatte, ich möchte sagen, einen fast königlichen Gang – gerader Rücken, perfekte Haltung. Sie war eine grosse, schöne Frau. Bis mit über 90 hat sie Stunden gegeben, Schülerinnen ausgebildet und sass daneben, wenn ehemalige Schülerinnen Stunden gaben, hat sich eingemischt und mal etwas gesagt dazu. Sie war eine ganz tolle Frau."

Die Abbildung "Tanzende am Lago Maggiore bei Ascona" aus dem Nachlass von Suzanne Perrottet des Zürcher Kunsthauses zeigt Katja Wulff ganz rechts.