Ruggero Leoncavallo
Ruggero Leoncavallo
Helmut Zacharias, Violinist, Komponist und Dirigent

1920-2002, geboren in Berlin, gestorben in Brissago

Zacharias wurde wegen seiner charakteristischen Spielweise „Zaubergeiger“ genannt; bereits mit vier Jahren begann er Geige zu spielen. 1936 bis 1939 studierte er an der Berliner Hochschule für Musik. Aufgrund seiner frühen Erfolge konnte es sich bald eine Geige des Meisters Philipp Hamming leisten, die er bis zu seinem Tod spielte. Zacharias leitete ein Swing Ensemble, war bei der „Deutschen Grammophon“ exklusiv unter Vertrag, war auch in den Hitparaden der USA und Englands vertreten, er wirkte in Kinofilmen mit und hatte in Deutschland seine eigene Fernsehshow. Er komponierte um die 1'400 Musikstücke und verkaufte 13 Millionen Schallplatten. Ab 1959 wohnte er mit seiner Familie in  Ascona, in der Villa "La Campanella" am Sentiero Romano gelegen. Das Haus ist nach seinem Lieblingsstück von Paganini benannt. Zacharias Name steht in den Gästebüchern der Wirtshäuser in und um Ascona. Zu seinen „Tessiner Bekannten“ gehörten unter anderen Catarina Valente, Peter Alexander, Horst Lemke und Vico Torriani. An Alzheimer erkrankt, verbrachte er seine letzten Jahre  in der "Casa San Giorgio" in Brissago. Er wurde in Hamburg auf dem Friedhof Ohlsdorf beigesetzt. www.helmutzacharias.site.ms.

Walter A. Stämpfli schrieb im Mai 1983 in der *Südschweiz" unter dem Titel "40 Jahre Künstlerehe – ohne Skandale": "Skandale in einer Künstlerehe zählen bereits zur Tagesordnung. Keine Skandale – und dies während vollen 40 Jahren – sind hingegen eine Seltenheit. Das Rezept für eine glückliche Ehe, verrieten uns Hella (60) und Helmut (63) Zacharias. Denn der weltberühmte Wundergeiger und seine Gattin feierten gestern ihren 40. Hochzeitstag. Beide waren der gleichen Meinung: „Die Liebe alleine genügt nicht für eine glückliche Ehe. Man muss die Gefühle und Sorgen des Partners wahrnehmen und verstehen.“ Leicht haben es die Zacharias nicht gehabt: er der Künstler, sie seine Managerin. Einerseits vertieften die gemeinsamen Interessen die Ehe, anderseits „richtige Kräche gab es nur aus beruflichen Gründen“, sagt Helmut Zacharias. Kennengelernt haben sich Hella und Helmut im Kriegsjahr 1941, im Berliner Jazzlokal „Groschenkeller“. „Auf den Schultern von Freunden“, so erinnert sich Hella, „wurde ein bildhübscher Jüngling in den Jazzkeller getragen. Er gefiel mir auf den ersten Blick. Mein Cousin klärte mich auf: „das ist der berühmte Jazzer mit der Geige.“ Damals spielte er die unter den Nazis verbotene Jazzmusik, „an der Tür standen einer Schmiere und wenn die Kontrolleure von der Reichsmusik-Kammer kamen, spielten wir sofort „Grün ist die Heide“. An so einem Abend, sah ich sie sitzen. Sie war die Hübscheste und Lustigste von allen. Ich drängelte mich an ihre Seite, obwohl es nicht meine Art ist, denn von Natur aus bin ich schüchtern.“ In der Kreuzkirche am Hohenzollern-Damm wurde schliesslich nach zwei Jahren geheiratet und anschliessend gross gefeiert mit: sieben Torten, Champagner und 24 Pfund Spargeln! „Ich war schon immer ein Organisationstalent“, sagt Hella. So war es trotz Krieg – eine Traumhochzeit. Allerdings managen wollte sie nicht. In den Jahren nach dem Krieg, spielte Helmut Zacharias in den Clubs der Alliierten. „Meine Englisch-Kenntnisse machten mich zur Managerin. Ich verhandelte mit den englischen und amerikanischen Captains“, erzählt Hella. Und so blieb es dabei. Helmut Zacharias: „Es gibt keine bessere Managerin, als meine Hella. In dieser Haifisch-Branche, hat sie mich niemals zum Frasse vorgeworfen. Nie hatte sie einen falschen Ehrgeiz.“ Trotzdem hat der Geiger unglaubliches geleistet: 13 Millionen verkaufte Schallplatten. 1400 geschriebene Titel. Laut einer Umfrage in der Bundesrepublik Deutschland, beträgt sein Bekanntheitsgrad 93 Prozent, international erreicht er 60 Prozent. „Dabei hat sie es mit mir schwer gehabt, denn ich bin Wassermann, Spinner und Künstler“. Gattin Hella ist ganz seiner Meinung: „Helmut ist ein absoluter Neinsager. Wenn man etwas von ihm will, muss man das Gegenteil fordern“. Mitunter geht dem schüchternen Musiker das Temperament durch „aus verletzter Eitelkeit“, so Hella, „schmiss er schon Tisch und Koffer aus dem geschlossenen Fenster“. Ein Leben im Rampenlicht, bewundert von Millionen Fans und dann keine Seitensprünge? „Hella hat das Lotterleben verhindert, das ich gerne geführt hätte“, scherzt Helmut. Doch ernsthaft: „Wie jeder normale Mann, hatte auch ich hin und wieder Appetit auf einen Flirt. Dazu kam es aber nie, denn ich wollte meiner Frau nicht weh tun. Für mich wäre es wohl ein kurzfristiges Erlebnis gewesen, sie aber hätte ein Leben lang daran nagen müssen“. Nicht nur aus Liebe blieb er treu. „Denn Hella ist auch eine fantastische Köchin, ein Naturtalent und selbst der Kochpapst Bocuse würde vor ihr erblassen“. Nun leben sie seit 25 Jahren im berühmtesten Dorf der Welt: Ascona. Ihre Kinder Sylvia (38), Thomas (36) und Stephan (26) sind ihre eigenen Wege gegangen. Verträumt sitzen die glücklichen Jubilare im Garten ihrer Villa, mit Blick über den Lago Maggiore und sehnen sich nach der Grossfamilie ihrer Kindheit in Berlin-Grunewald zurück. Beide wissen: „dieser Traum wird sich niemals mehr erfüllen können“."