Giuseppe Zoppi
Giuseppe Zoppi, Lehrer und Schriftsteller

1896-1952, geboren in Broglio, gestorben in Locarno

Prof. Dr. Jakob Keller in „Prosadichtung dreier Tessiner Zeitgenossen“ aus dem Jahr 1932: „Giuseppe Zoppi hatte es sein heimatliches Tal angetan: es wird immer „seine Valle Maggia“ sein. In dessen oberem Teil, welcher den Namen Val Lavizzara führt, liegt nördlich von Bignasco das stille Dorf Broglio. Dort wurde am 12. September 1896 Giuseppe Zoppi geboren. 700 m hoch gelegen, ist der Ort umgeben von einer Bergwelt von Zweitausendern, die bis weit hinauf dem Hirtenvolke Alpweiden für seine Herden bieten. An Vieh und Weiden besass der Vater sein redlich Teil, und seine ansässige Familie gehörte gewissermassen zum Patriziat des kleinen Dorfes. „Come un pastore della leggenda“ stand der fleissige und edelgesinnte Mann im Ansehen bei den Seinen. Die Mutter war eine jener schlichten Frauen, die aufging im hilfreichen und gütigen Walten zum Wohle ihrer Lieben. Auch der Knabe wurde früh zur Mitarbeit herangezogen. Diese machte ihn vollends vertraut mit dem Leben eines Bergbauern und liess ihn neben viel Sonnenschein Eindrücke in sich aufnehmen, die ihn nachhaltig an dessen Ernst und Rauheit gemahnten. Der Winter bot Giuseppe Gelegenheit; die Schule des Dorfes zu besuchen.
Mit 11 Jahren lenkte der Knabe den Schritt in einer Richtung, die für seine Laufbahn entscheidend wurde. Er stieg an die Mündung der Maggia hinunter, nach Ascona, wo er in ein „Collegio dei Salesiani di Don Bosco” eintrat. Mit feinem Kunstverständnis führte der Piemontese Michele Marsina. die Zöglinge ein in die ersten Geheimnisse der Poesie. Sein Unterricht insbesondere konnte nicht verfehlen, auf Giuseppe Zoppis empfindliches Gemüt intimer einzuwirken. Er beschäftigte den Knaben häufig in freien Stunden und veranlasste ihn frühe zu träumerischen Gedankenflügen ins Reich der Kunst, nach Italien, dem Mutterland seiner Sprache. Nach der Schularbeit die langen Ferien des Sommers in den Bergen seiner Heimat zuzubringen, bedeutete daneben sein wahres Jugendglück.
Tüchtige Kenntnisse in der italienischen Sprache und Literatur begleiteten Giuseppe Zoppi nach Freiburg, ins französische Sprachgebiet. Am Lyzeum, das er erfolgreich absolvierte,  machte er sich das neue Idiom zu eigen. Er vertiefte sich weiter in dasselbe in der gleichen Stadt während seiner Studien an der Universität, an der er mit einer These über seinen Landsmann Francesco Chiesa promovierte. An der Einfachheit und Klarheit französischer Prosaisten hatte er wie einst Manzoni besonderen Gefallen gefunden; ihr Vorbild sollte ihn auch vor jeder Überschwenglichkeit oder Verworrenheit im eigenen Stil bewahren. Im Grenzgebiet zwischen Deutsch und Welsch bot ihm Freiburg ebenfalls Gelegenheit, mit der dritten Landessprache, sowie mit deutschem Danken und deutscher Kunst sich vertraut zu machen. Aus allen drei Brunnen der Kultur, die in der Schweiz ihre Quellen haben, ward damit seinem Geist und seinem Stil Nahrung zuteil.
Mit beneidenswertem geistigen Rüstzeug hatte er beim Abschluss der Studien die Schwelle seines ersten Lebensabschnittes erreicht, über welche er als Lehrer zu Fuss neuerdings in die Schule setzte. Im Jahre 1919 begann er seinen Unterricht an den untern Klassen des Gymnasiums zu Lugano.  [...] Seither hat ihn sein Kanton zum Bildner der Erzieher selber gemacht; er wirkte bis zum Herbst 1931 als Direktor am Lehrerseminar Locarno. Heute bekleidet er den Lehrstuhl für italienische Sprache und Literatur an der eidgenössischen technischen Hochschule in Zürich.
Der Gymnasiallehrer hat sein Amt mit einem leichten Bündel literarischer Erzeugnisse angetreten. Er ist in der Folge zum fruchtbaren und geschätzten Schriftsteller geworden. Bald führt er die Feder als Literarhistoriker und Kritiker, bald sind es Bücher eigener Schöpfung, mit dem er Freude macht.“
Zum engeren Bekanntenkreis von Giuseppe Zoppi gehörte auch Ugo Zaccheo.
Zoppi, Il libro dell'alpe